Kategorie: Senf-Station

  • Fernsehen – und jetzt mal ehrlich: Was läuft bei dir eigentlich in der Glotze?

    Fernsehen – und jetzt mal ehrlich: Was läuft bei dir eigentlich in der Glotze?

    Na, wie steht’s um deine Fernsehgewohnheiten? Bist du eher der Typ «Tagesschau, Wetterbericht und ab ins Bett»? Oder gehörst du zu jenen, die ganze Staffeln am Stück verschlingen, bis draussen die Vögel zwitschern und man sich fragt, ob das jetzt Feierabend oder schon Frühstück ist?

    Fernsehen ist ja so eine Sache. Früher gab es eine Handvoll Programme. Wenn nichts Gescheites lief, hatte man Pech gehabt und ging halt spazieren. Oder man redete miteinander. Ganz verrückt.

    Heute gibt es gefühlt 300 Sender, dazu Netflix, Amazon, Disney und weiss der Kuckuck was noch alles. Und was machen wir? Wir sitzen eine halbe Stunde vor dem Bildschirm, scrollen durch Tausende Filme und Serien und finden … nichts. Dann schauen wir zum vierten Mal dieselbe Komödie. Herrlich, dieser Fortschritt!

    Serien – ohne geht es offenbar nicht mehr!

    Welche Serien ziehst du dir regelmässig rein? Krimis, Arztserien, Familiendramen oder eine dieser skandinavischen Mordgeschichten, in denen es immer dunkel ist, immer regnet und alle so dreinschauen, als hätten sie gerade ihre Steuererklärung gemacht? Nach drei Folgen weiss man immer noch nicht, wer wen warum umgebracht hat. Aber man weiss genau, wie die Kommissarin ihren Kaffee trinkt: schwarz und traurig.

    Bist du Serienjunkie und zählst die Tage bis zur nächsten Staffel? Oder gehörst du zu den beneidenswerten Menschen, die nach einer Folge tatsächlich abschalten können? (Falls ja: Wie machst du das? Ich frage für eine Freundin.)

    Und Hand aufs Herz: Wie oft hast du schon gesagt «Nur noch diese eine Folge»? Und dann war es draussen hell, der Kater schaute dich vorwurfsvoll an, und der Bildschirm fragte höflich: «Schauen Sie noch?» Ja. Leider ja.

    Nachrichten – muss das wirklich sein?

    Interessieren dich die Nachrichten? Verfolgst du täglich das Weltgeschehen, oder reicht dir ein kurzer Blick auf die Schlagzeilen, so wie man beim Bäcker kurz in die Auslage schaut, ohne etwas zu kaufen?

    Bei allem, was uns täglich serviert wird, könnte man meinen, die Welt bestehe nur noch aus Krisen, Katastrophen, Kriegen, Politikern und Leuten, die dringend mal einen Realitätscheck bräuchten. Mit Zustellung per Einschreiben.

    Manchmal möchte man nach den Nachrichten den Fernseher ausschalten, tief durchatmen und sich fragen, ob es auf diesem Planeten eigentlich noch gute Nachrichten gibt. Die gibt es übrigens. Sie kommen meistens ganz am Schluss und handeln von einem Pandababy.

    Oder bist du so neugierig, dass du sogar noch die Spätnachrichten mitnimmst und danach mit Herzklopfen ins Bett gehst?

    Shows, Shows und noch mehr Shows!

    Was ist deine Lieblingsshow? Talentshows, Quizsendungen, Kochduelle, Tanzwettbewerbe oder Reality-TV?

    Schaust du begeistert zu, wenn sich wildfremde Menschen vor laufender Kamera verlieben, streiten, weinen oder sich gegenseitig die Teller um die Ohren hauen? Meistens in genau dieser Reihenfolge, und manchmal alles in derselben Folge.

    Und gib es zu: Manchmal schaut man sich diesen Unsinn gerade deshalb an, weil man sich danach so herrlich überlegen fühlt. Schliesslich würde man selbst nie so etwas tun. Niemals! Also … fast niemals. Und wenn, dann nur mit besserer Frisur.

    Konzerte – lieber live oder bequem vom Sofa?

    Bist du jemand, der Konzerte live erleben muss? Mit Gedränge, verschwitzten Nachbarn, Getränken zum Preis einer Monatsmiete, dem Handy des Vordermanns direkt vor der Nase und einem Pfeifen in den Ohren, das dich noch drei Tage begleitet?

    Oder geniesst du Musik lieber gemütlich zu Hause, mit einem Glas Wein, einer Wolldecke und der Fernbedienung in Griffweite? Das hat schliesslich Vorteile: Die Toilette ist frei, das Bier ist kalt, und niemand steht vor dir.

    Und wenn ein alter Lieblingsstar im Fernsehen auftritt, wird dann mitgesungen? Natürlich textsicher! Zumindest bei den Liedern, die man vor 30 Jahren schon auswendig konnte. Bei den neuen summt man halt mit und tut so, als wäre das Absicht.

    Die grosse Schwärmerei!

    Jetzt wird’s spannend: Für welchen Fernsehstar schwärmst du eigentlich?

    Gibt es diesen einen Schauspieler, bei dem du plötzlich hellwach wirst? Einen charmanten Moderator, eine umwerfende Schauspielerin oder einen Sänger, bei dem dein Herz heimlich einen kleinen Hüpfer macht?

    Keine falsche Bescheidenheit! Auch im fortgeschrittenen Alter darf man noch Augen im Kopf haben. Man ist ja nicht blind, nur weil man inzwischen eine Lesebrille braucht. Im Gegenteil: Mit Lesebrille sieht man sogar schärfer, wie gut er aussieht.

    Und dann gibt es noch die anderen …

    Welche Moderatoren kannst du partout nicht ausstehen?

    Die, die einem ständig ins Wort fallen? Die sich offenbar für den Mittelpunkt des Universums halten? Oder jene, die bei jeder Gelegenheit so übertrieben lachen, dass man den Ton auf null dreht und die Untertitel einschaltet?

    Es gibt Fernsehgesichter, die sieht man gern. Und andere, bei denen die Hand von ganz allein zur Fernbedienung greift. Ein Reflex, den die Wissenschaft noch nicht erforscht hat.

    Manchmal ist der Ausschaltknopf eben die genialste Erfindung der Fernsehtechnik!

    Und jetzt bist du dran!

    Ich will wissen, wie du tickst:

    • Welche Serien schaust du regelmässig?
    • Sind Nachrichten für dich Pflicht oder eher Stimmungskiller?
    • Welche Show darfst du auf keinen Fall verpassen?
    • Gehst du gern an Konzerte, oder geniesst du Musik lieber zu Hause?
    • Für welchen Fernsehstar schlägt dein Herz?
    • Und welcher Moderator treibt dich zuverlässig auf die Palme?

    Also raus mit der Sprache! Hier darf gelästert, geschwärmt, diskutiert und selbstverständlich auch widersprochen werden.

    Denn eines ist sicher: Über Geschmack lässt sich streiten. Und über das Fernsehprogramm erst recht!

    Und falls du gerade nicht weisst, was du schauen sollst: Willkommen im Club! Wir sitzen alle noch im Menü.

  • Freunde – oder: Wer ist eigentlich wirklich dein Freund?

    Freunde – oder: Wer ist eigentlich wirklich dein Freund?

    Freunde! Ein wunderschönes Wort. Aber was bedeutet Freundschaft eigentlich? Und vor allem: Wie viele Freunde kann ein Mensch überhaupt haben?

    Manche Leute scheinen darin ausgesprochen begabt zu sein. Sie haben Hunderte, ja Tausende von Freunden! Zumindest behaupten sie das. Ein Blick auf Facebook genügt, und schon sieht man 800, 1200 oder gar 3000 Freunde. Facebook lässt übrigens höchstens 5000 zu. Offenbar hat selbst Facebook irgendwann gemerkt, dass es langsam übertrieben wird.

    Donnerwetter! Wie machen die das bloss? Haben die einen Tag mit 36 Stunden und zusätzlich eine Nachtschicht? Führen sie ihre Freundschaften im Akkord, mit Stempelkarte und Schichtplan?

    Ich gebe zu: Ich habe da so meine Zweifel.

    Und die Wissenschaft auch. Der britische Forscher Robin Dunbar hat ausgerechnet, dass unser Gehirn mit etwa 150 Beziehungen schon gut ausgelastet ist. Echte Freunde haben die meisten Menschen etwa zehn bis fünfzehn, und richtig enge Vertraute meistens nur drei bis fünf. Der Rest ist Publikum.

    Für mich bedeutet Freundschaft jedenfalls etwas ganz anderes als ein Klick auf «Freund hinzufügen».

    Freundschaft ist nämlich keine Sammelleidenschaft!

    Wir sammeln ja auch nicht Menschen wie Briefmarken, um sie dann ins Album zu kleben und nie wieder anzuschauen.

    Ein echter Freund ist nicht nur da, wenn die Sonne scheint und das Leben rosarot ist. Ein Freund ist auch da, wenn’s mal nicht rund läuft. Wenn man Sorgen hat, jemanden zum Reden braucht oder einfach jemanden, der zuhört, ohne nach drei Minuten aufs Handy zu schielen.

    Freundschaft heisst Geben und Nehmen. Nicht im Sinn von Buchhaltung: «Ich habe dich dreimal angerufen, jetzt bist du dran!» Aber auch nicht so, dass immer nur einer fragt, zuhört und sich bemüht, während der andere sich gemütlich zurücklehnt und die Freundschaft behandelt wie ein Abo, das sich automatisch verlängert.

    Freundschaft muss gepflegt werden wie ein Garten. Sie braucht Zeit, Interesse, Aufmerksamkeit und manchmal eine Portion Geduld. Man muss sich melden, sich treffen, füreinander da sein und auch mal über den eigenen Schatten springen. Sonst wächst Unkraut. Oder gar nichts mehr.

    Und genau hier liegt der Haken bei den angeblich tausend Freunden.

    Wie soll das gehen? Wann telefoniert man mit tausend Menschen? Wann hört man ihnen zu? Wann ist man für sie da? Selbst wenn man jeden nur einmal im Jahr eine Stunde anruft, hängt man bei tausend Freunden jeden Tag fast drei Stunden am Telefon. Ferien und Feiertage nicht eingerechnet.

    Oder beschränkt sich diese Freundschaft auf ein automatisches «Happy Birthday», ein Daumen-hoch und ein paar Herzchen unter einem Ferienfoto?

    Wenn das genügt, dann habe ich offenbar etwas falsch verstanden. Und ehrlich gesagt bin ich froh darüber.

    Bekannte sind noch lange keine Freunde!

    Ich finde, man darf hier ruhig unterscheiden.

    Es gibt Menschen, die man kennt. Mit denen man plaudert, einen Kaffee trinkt, lacht oder sich an einem Fest begegnet. Das sind schöne Begegnungen und ein wertvoller Bekanntenkreis.

    Aber nur weil mich jemand kennt, bin ich noch lange nicht seine Freundin. Und nur weil ich jemanden kenne, ist er noch lange nicht mein Freund.

    Man kann sich sympathisch sein, sich mögen und trotzdem keine Freundschaft haben. Das ist weder schlimm noch abwertend. Es ist schlicht eine Frage der Nähe.

    Nicht jeder, der meine Telefonnummer hat, muss auch meine Sorgen kennen. Und nicht jeder, der mich auf der Strasse herzlich umarmt, würde nachts um drei aus dem Bett steigen, wenn ich ihn wirklich brauche. Manche würden nicht mal das Handy umdrehen.

    Etwas überspitzt? Vielleicht. Aber ihr wisst genau, was ich meine.

    Weniger ist manchmal tatsächlich mehr!

    Vielleicht liegt die Kunst gar nicht darin, möglichst viele Freunde zu haben, sondern die richtigen.

    Ein kleiner Kreis von Menschen, auf die man sich verlassen kann, ist mir viel mehr wert als eine endlose Liste von Namen, hinter denen kaum mehr steckt als eine flüchtige Bekanntschaft und ein verschwommenes Profilbild.

    Menschen, von denen man wochenlang nichts hört und trotzdem weiss: Wenn es darauf ankommt, sind sie da.

    Menschen, mit denen man lachen, streiten, schweigen und auch mal anderer Meinung sein kann, ohne dass gleich alles in die Brüche geht.

    Menschen, die sich ehrlich für einen interessieren und nicht nur anklopfen, wenn sie etwas brauchen.

    Und ganz wichtig: Freundschaft ist keine Einbahnstrasse! Wer immer nur nimmt und nie etwas zurückgibt, sollte sich mal fragen, ob er nicht gerade eine sehr bequeme Dienstleistung mit Freundschaft verwechselt.

    Und dann gibt es noch die Freundschaften auf Abruf.

    Menschen, die sich melden, wenn sie etwas brauchen. Die plötzlich unglaublich viel Zeit haben, wenn es um einen Gefallen geht. Die sich wochenlang nicht blicken lassen, aber selbstverständlich erwarten, dass man sofort springt, wenn bei ihnen der Schuh drückt. Oder der Umzug ansteht. Oder der Hund Ferien braucht.

    Da darf man sich durchaus fragen: Ist das Freundschaft? Oder betreibe ich hier ehrenamtlich eine kostenlose Service-Hotline für alle Lebenslagen, rund um die Uhr erreichbar, ohne Warteschleife und ohne Dankeschön?

    Mein Fazit:

    Ich brauche keine tausend Freunde. Ich brauche auch keine meterlange Freundesliste, um mich beliebt oder wichtig zu fühlen.

    Lieber wenige, dafür echte Freunde. Und dazu einen grossen, bunten Bekanntenkreis, mit dem man lachen, plaudern, ausgehen und schöne Stunden verbringen kann.

    Denn zwischen einem netten Bekannten, einem guten Freund und einem echten Herzensmenschen liegen manchmal Welten. Und ein Herzensmensch ist mehr wert als tausend Herzchen.

    Und jetzt bin ich neugierig: Wie haltet ihr es mit der Freundschaft? Habt ihr einen riesigen Freundeskreis, oder zählt ihr eure echten Freunde an einer Hand ab und habt noch Finger übrig?

    Und noch eine etwas unbequeme Frage: Wie viele eurer sogenannten Freunde würden wirklich alles stehen und liegen lassen, wenn ihr sie bräuchtet?

    Na, schon mal durchgezählt?

    Denn eines ist für mich klar: Freundschaft misst man nicht an der Zahl der Namen im Telefonbuch, sondern daran, wer auch dann noch da ist, wenn es gerade nichts zu feiern gibt.

    Tausend Freunde kann man haben. Aber nur wenige, die nachts um drei mit einem Topf Suppe vor der Tür stehen.