Eierschnittli – Goldstücke aus der Pfanne

Draussen pfeift der Wind ums Haus, drinnen brutzelt’s in der Pfanne. Wer kennt das nicht? Mutter steht am Herd, die Küche duftet nach Butter und Zimt, und wir Kinder sitzen am Tisch, die Gabel schon in der Faust und bereit zum Angriff. Dazu gibt es Apfelmus, natürlich selbstgemacht, mit Äpfeln aus dem eigenen Garten. Apfelmus aus dem Laden? Das kannten wir nicht einmal vom Hörensagen.

Eierschnittli heissen in der Schweiz auch Fotzelschnitten, in Griechenland αυγοφέτες (Avgofetes). Sie sind die eleganteste Ausrede der Welt, um altes Brot nicht wegzuwerfen: Aus dem Brot von gestern wird ein Goldstück von heute. Resteverwertung mit Heiligenschein.

Heute kommen sie leider seltener auf den Tisch. Eigentlich schade, denn die Eierschnittli haben sich mächtig gemausert. Die Eimasse gibt es längst auch herzhaft gewürzt, mit Käse, feinsten Gemüseraspeln und Kräutern. Dazu passen Salat, gebratene Champignons, knuspriger Speck oder Schinken. Aus dem Kinderteller-Klassiker ist ein Znacht geworden, mit dem man auch vor Gästen glänzen kann.

Und die süsse Variante? Die ist dem Apfelmus längst nicht mehr treu. Sie flirtet mit Birnen- und Zwetschgenkompott, mit frischen Beeren, Vanillesauce, Honig, Ahornsirup und gedünsteten Zimtäpfeln. Treue sieht anders aus. Aber wer will ihr das verübeln?

Auch beim Brot herrscht Gedränge. Weissbrot, Brezelbrot, dunkles Brot und Vollkornbrot schubsen einander zur Seite, und jedes will zuerst ins Eierbad. Die Küchenfee lässt sie alle ran. Gerecht muss es schliesslich zugehen.

Kaum hat die Küchenfee eine neue Idee, landet sie schon in der Pfanne, zur Freude der hungrigen Mäuler am Tisch. Für sie selbst bleibt meist nur die letzte Scheibe, die leicht angebrannte. Sie behauptet steif und fest, die schmecke ihr am besten. Mütter wissen, wovon ich rede.

Rezept: Eierschnittli für 4 hungrige Mäuler

Grundrezept

  • 8 Scheiben altbackenes Brot (1–2 Tage alt), Sorte nach Belieben
  • 3 Eier
  • 2,5 dl Milch
  • 1 Prise Salz
  • Butter oder Olivenöl zum Braten

Süss: 1 EL Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker in die Eimasse rühren. Zum Wenden 4 EL Zucker mit 1 TL Zimt mischen.

Herzhaft: Die Eimasse mit Pfeffer und 1 Prise Muskat würzen. 50 g geriebenen Käse (z. B. Gruyère oder Kefalotyri), 1 EL gehackte Kräuter und nach Lust 1 kleines Rüebli oder 1 kleine Zucchetti, fein geraffelt, darunterrühren.

Zubereitung

  1. Eier, Milch und Salz in einem tiefen Teller verquirlen, dann süss oder herzhaft ergänzen.
  2. Die Brotscheiben kurz in der Eimasse wenden. Sie sollen sich vollsaugen, aber nicht zerfallen. Altbackenes Brot hält das tapfer aus, frisches wird zu Matsch.
  3. Butter oder Olivenöl in einer Bratpfanne bei mittlerer Hitze erhitzen.
  4. Die Scheiben auf jeder Seite 2–3 Minuten goldbraun braten und dabei nicht ständig wenden. Geduld ist die geheime Zutat.
  5. Süsse Schnittli noch heiss im Zimtzucker wenden, herzhafte mit Beilage servieren. Sofort essen, denn Warten ist keine Option.

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