Niemand kommt als Meister auf die Welt

Wenn du mit etwas beginnst, bist du nicht von Anfang an perfekt. Du wirst auf deinem Weg besser. Du wirst immer besser

Mal ehrlich: Mein erster Zopf sah aus wie ein Kopfkissen nach einer durchzechten Nacht. Mein erstes Lied hatte drei Strophen und vier verschiedene Melodien. Und mein erster griechischer Satz auf dem Markt brachte den Gemüsehändler so zum Lachen, dass er mir eine Gurke gratis dazugab. Hätte ich damals aufgegeben, wäre ich heute um einen Zopf, ein paar Lieder und sehr viele Gurken ärmer.

Niemand kommt als Meister auf die Welt. Nicht einmal Mozart, der hat am Anfang auch nur in die Windeln komponiert. Wer etwas Neues beginnt, stolpert, kleckert und verzählt sich. Na und? Jeder Stolperer ist ein Schritt nach vorn, nur halt mit etwas mehr Hüftschwung.

Und ja, das gilt auch für Tablet, Laptop und diese neumodische Künstliche Intelligenz. Am Anfang habe ich den Computer behandelt wie einen bissigen Hund: lieber nicht zu nah ran. Heute plaudere ich mit einer KI über Reime und Rezepte, und manchmal hat sie sogar gute Ideen. Manchmal auch nicht. Dann sage ich ihr das, und sie nimmt es mir nicht übel. Probieren kostet nichts ausser ein bisschen Mut, und kaputt machen kann man dabei weniger, als man befürchtet. Die Enkel staunen übrigens nicht schlecht.

Also: Pinsel in die Hand, Sprachbuch auf, Tanzschuhe an, Computer ein. Probier endlich das aus, was dich seit Jahren heimlich anlacht. Du wirst nicht perfekt sein. Du wirst besser. Und besser macht viel mehr Spass als perfekt. Perfekt ist nämlich fertig. Und fertig ist langweilig.

Mögliche Nebenwirkungen: Stolz, rote Backen und die verblüffende Erkenntnis, dass man viel mehr kann, als man dachte.

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