Das Leben ist kein Ponyhof – aber manchmal ein echtes Pferdespiel

Das Leben ist kein Ponyhof. Da liegen keine weichen Strohballen für die Bruchlandung bereit, kein Futtereimer gegen schlechte Laune und schon gar kein Ponydienst, der einen zuverlässig aus jedem Schlamassel zieht. Stattdessen gibt’s Gegenwind, Stolpersteine und ab und zu ein ausgewachsenes Pferd vor die Nase gesetzt. Am liebsten dann, wenn man ohnehin schon alle Hände voll zu tun hat. Oder alle Hufe.

Manchmal sitzt man hoch zu Ross, hält sich für den König im Sattel und winkt huldvoll dem Fussvolk zu. Bis das Leben einmal kräftig schnaubt, kurz bockt und einen unsanft auf dem Boden der Tatsachen absetzt. Mit Heu im Haar, während die Würde im gestreckten Galopp das Weite sucht.

Ein anderes Mal setzt man aufs falsche Pferd. Es wiehert so vielversprechend, glänzt so schön im Abendlicht und entpuppt sich doch nur als heisse Luft mit Hufen. Hier in Griechenland weiss man das übrigens seit Troja: Nicht jedes Pferd, das vor der Tür steht, ist ein Geschenk. Manches ist es bloss hohl. Und in manchem steckt etwas, das man lieber nicht hereingelassen hätte.

Wer glaubt, immer den richtigen Weg zu kennen, landet schneller im Kreisverkehr, als ihm lieb ist, natürlich ohne Ausfahrt und mit Publikum. Wir Schweizer nennen so etwas ein Rösslispiel: Man dreht Runde um Runde, die Orgel dudelt, man winkt fröhlich in die Menge und kommt keinen Zentimeter vom Fleck. Dazwischen wiehert der Amtsschimmel, irgendwer zäumt das Pferd von hinten auf, und mittendrin ruft der eine «Hü!» und der andere «Hott!».

Trotzdem: Zähne zusammenbeissen, Mähne schütteln, Staub abklopfen und wieder rauf aufs Ross. Das Leben verlangt nicht, dass man immer elegant im Sattel sitzt. Es reicht völlig, wenn man nach dem nächsten Sturz noch genug Würde besitzt, um zu behaupten, das sei genau so geplant gewesen. Dressur für Fortgeschrittene, sozusagen.

Also: Nicht auf jedes Pferd aufspringen, das freundlich wiehert. Manches trägt dich ins Glück, manches direkt gegen die nächste Wand. Und manches will nur deine Aufmerksamkeit, deine Geduld und am liebsten noch deine Kreditkarte. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Doch. Gerade dem.

Das Leben ist eben kein Ponyhof. Aber manchmal ein echtes Pferdespiel: mit falschen Fährten, wilden Ausritten und der ewigen Frage, wer hier eigentlich wen reitet.

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