Osterbrunch: Wenn der Osterhase den Kühlschrank plündert!

Ostern ist die perfekte Gelegenheit, Familie und Freunde an einen Tisch zu holen und ausgiebig zu schlemmen. Draussen strecken die ersten Frühlingsblumen ihre Köpfe aus der Erde, der Osterhase versteckt angeblich fleissig Eier, und drinnen wird ein Tisch gedeckt, als hätten sich eine Bäckerei, eine Metzgerei und eine Confiserie zu einer Fusion entschlossen. Denn an Ostern wird nicht einfach gefrühstückt. An Ostern wird gebruncht! Mit allem, was das Herz begehrt und der Hosenbund gerade noch verkraftet.

Der Brunch ist ohnehin eine herrliche Erfindung. Man muss nicht früh aufstehen wie fürs Frühstück und nicht bis zum Mittag warten, bis endlich etwas Vernünftiges auf den Tisch kommt. Man darf sich gemütlich aus dem Bett rollen, die Haare in eine halbwegs gesellschaftsfähige Form bringen und sich an den gedeckten Tisch setzen. Fragt jemand, ob man schon gefrühstückt habe, lautet die Antwort selbstverständlich: «Nein, ich spare mir den Appetit für den Brunch auf!» Man will schliesslich vorbereitet sein, wenn die kulinarische Osterlawine ins Rollen kommt.

Im Mittelpunkt thront der Zopf. Goldbraun, weich und herrlich duftend liegt er da und wartet darauf, dass ihm jemand mit dem Messer zu Leibe rückt. Am liebsten noch leicht warm, mit knuspriger Kruste und einem weichen Innern, das förmlich nach Butter schreit. Ein Stück Zopf mit Butter und Konfitüre, und die Welt sieht gleich viel freundlicher aus. Wer jetzt noch behauptet, er brauche am Morgen nichts Süsses, hat einfach noch nicht richtig hingeschaut.

Daneben leuchten die Ostereier in allen Farben. Manche sind so kunstvoll bemalt, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekommt, sie zu essen. Fast! Spätestens wenn der Hunger zuschlägt, ist es mit der Kunstbewunderung vorbei. Dann wird getütscht. Und beim Eiertütschen herrscht eine klare Rangordnung: Wer das stärkste Ei hat, fühlt sich für einen Moment wie der unbesiegbare Champion der Familie. Wer mit zerbrochener Schale dasitzt, muss sich Sprüche anhören, als hätte er gerade die Weltmeisterschaft im Eierknacken verloren. Und verlangt natürlich sofort eine Revanche.

Auf dem Tisch türmen sich Käse und Aufschnitt, vom milden Emmentaler über würzigen Bergkäse bis zum cremigen Brie, dazu Schinken, Salami und Trockenfleisch. Jeder darf zugreifen, wie es ihm beliebt. Allerdings gibt es in jeder Familie mindestens eine Person, die das schönste Stück Schinken entdeckt, es mit gezieltem Griff an sich nimmt und dabei so unschuldig schaut, als hätte sie bloss die Tischdekoration zurechtgerückt.

Und dann die süsse Abteilung! Gipfeli, Osterküchlein, Hefeschnecken, kleine Törtchen und vielleicht sogar ein Rüeblikuchen. Man könnte meinen, der Osterhase hätte nicht nur Eier versteckt, sondern gleich noch die Konditorei überfallen. Dabei hatte man vorher fest behauptet, man wolle heute nicht so viel essen. Ein Vorsatz, der ungefähr so lange hält, bis das erste Gipfeli in Reichweite liegt.

Das Schönste an einem Osterbrunch: Niemand steht unter Zeitdruck. Man sitzt zusammen, trinkt Kaffee, erzählt Geschichten und holt sich immer wieder ein kleines Häppchen. Wobei «klein» ein sehr dehnbarer Begriff ist. Ein Stück Zopf hier, etwas Käse dort, ein Ei zur Sicherheit und noch ein Gipfeli, damit das Süsse nicht zu kurz kommt. Wer das alles hübsch auf dem Teller anordnet, kann sich wenigstens einreden, er habe noch alles im Griff.

Während die Erwachsenen über das Wetter, die Ferien und die neuesten Familiengeschichten plaudern, sind die Kinder auf Eiersuche. Die Eier sind natürlich immer genau dort versteckt, wo man sie am wenigsten vermutet: hinter einem Blumentopf, unter einer Bank oder an einem Ort, an dem sich kein erwachsener Mensch freiwillig bücken würde. Sind alle gefunden, beginnt die nächste Phase: Verhandeln, Tauschen, Diskutieren. Zwei rote gegen ein Schoggihasenohr? An Ostern lernt man früh, dass Verhandlungsgeschick im Leben mindestens so wichtig ist wie ein guter Appetit.

Ein Osterbrunch zeigt, dass es kein aufwendiges Festmenü braucht, um schöne Stunden miteinander zu verbringen. Der Zopf darf gekauft oder selbst gebacken sein, der Aufschnitt kommt hübsch auf eine Platte, und der Käse braucht keinen kulinarischen Adelstitel, um gut zu schmecken.

Und wenn der Tisch am Ende aussieht, als hätte eine hungrige Hasenfamilie darauf eine wilde Party gefeiert, ist das kein Grund zur Sorge. Es heisst nur, dass es allen geschmeckt hat. Die Krümel erzählen ihre eigene Geschichte, und die letzten Schokoladeneier verschwinden verdächtig schnell in den Jackentaschen der jüngsten Gäste. Natürlich nur zur Aufbewahrung. Für später. Ganz bestimmt!

Sämtliche Diätpläne werden an Ostern kurzerhand in die Ferien geschickt. Schliesslich kommt der Frühling nur einmal im Jahr, und ein Osterbrunch erst recht! Und sollte nach dem letzten Kaffee jemand fragen, ob es später noch etwas zu essen gibt, darf man mit einem frechen Lächeln antworten: «Natürlich! Es ist Ostern. Der Hase hat bestimmt noch irgendwo etwas versteckt!»

Rezept: Der perfekte Osterbrunch für 6 Personen

Mit Zopf, Eiern, Käse, Aufschnitt und süssem Gebäck. Die Mengen lassen sich nach Appetit und Grösse der Gästeschar anpassen.

Für den Brunchtisch

  • 1 grosser Butterzopf, ca. 500–700 g
  • 8–10 Eier zum Kochen und Färben (plus ein paar Reserve-Eier für die Revanche)
  • 300–400 g Käse, zum Beispiel Emmentaler, Gruyère und Brie
  • 300–400 g Aufschnitt, zum Beispiel Schinken, Salami und Trockenfleisch
  • 1 Mödeli Butter
  • 2–3 Sorten Konfitüre oder Honig
  • 6 Gipfeli oder kleine süsse Brötchen
  • 6 Osterküchlein oder anderes süsses Gebäck
  • 1 Schale frische Beeren oder Trauben
  • 1–2 Gurken und einige Cherrytomaten
  • Kaffee, Tee, Milch und Orangensaft

1. Der Zopf: das Herzstück des Brunchs
Den Zopf frisch kaufen oder selbst backen. Für einen hausgemachten Zopf Mehl, Milch, Hefe, Butter, Salz und etwas Zucker zu einem geschmeidigen Hefeteig kneten. Aufgehen lassen, zu Strängen formen, flechten, nochmals gehen lassen und mit Eigelb bestreichen. Bei etwa 180 °C Ober-/Unterhitze goldbraun backen. Ein grosser Zopf braucht ungefähr 30–40 Minuten.

Am besten schmeckt er frisch mit Butter und Konfitüre. Und bitte nicht zu dünn schneiden, wir sind hier beim Osterbrunch und nicht bei der Diätberatung!

2. Die Ostereier: bunt, lecker und mit sportlichem Ehrgeiz
Die Eier je nach Grösse 9–10 Minuten hart kochen, abschrecken und auskühlen lassen. Wer mag, färbt sie mit Eierfarben oder natürlichen Farbstoffen wie Zwiebelschalen. Auf einer Platte angerichtet, bringen sie Farbe und Tradition auf den Tisch.

Wer ans Eiertütschen denkt, legt ein paar Eier mehr bereit. Es gibt immer jemanden, der eine Revanche verlangt, weil das eigene Ei angeblich nur wegen ungünstiger Ausgangslage verloren hat.

3. Käse und Aufschnitt: die herzhafte Abteilung
Den Käse in Scheiben oder mundgerechte Stücke schneiden und auf einer grossen Platte anrichten: milder Käse für die einen, kräftiger Bergkäse für die anderen und ein cremiger Weichkäse für alle, die es besonders fein mögen. Schinken, Salami und Trockenfleisch locker gefaltet oder gerollt auf eine zweite Platte legen. Gurken, Cherrytomaten und Trauben bringen Farbe und Frische dazu.

4. Das süsse Gebäck: für die angeblich kleine Nachspeise
Gipfeli, Osterküchlein, Hefeschnecken oder Rüeblikuchen auf einer eigenen Platte anrichten. Wer selbst backen möchte, macht kleine Rüebliküchlein mit gemahlenen Haselnüssen oder Mandeln und einer dünnen Glasur. Das Auge isst schliesslich mit. Bei der dritten Portion allerdings nicht mehr ganz so wählerisch.

5. Tisch decken und geniessen
Alles auf dem Tisch verteilen, Butter und Konfitüre bereitstellen, Kaffee, Tee und Saft servieren. Käse und Aufschnitt bis kurz vor dem Servieren im Kühlschrank lassen und nicht stundenlang ungekühlt auf dem Tisch stehen lassen.

Dann heisst es: hinsetzen, zugreifen, plaudern, geniessen. Niemand muss sich beeilen, niemand muss den Teller leer essen. Und wer nach dem Herzhaften noch Platz für ein Osterküchlein findet, hat offensichtlich eine sehr gut organisierte Dessertabteilung.

En Guete und frohe Ostern! Möge der Zopf luftig sein, der Käse würzig, der Aufschnitt reichlich und das Gebäck unwiderstehlich. Und bleibt am Schluss etwas übrig, ist das kein Problem. Der Osterhase freut sich bestimmt über eine kleine Wegzehrung!

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