
Ach, was waren das für Zeiten! Früher gab es vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Eine äusserst praktische Einrichtung der Natur, bewährt über Jahrmillionen, ohne Reklamationen. Man wusste ungefähr, wann der Wintermantel aus dem Schrank musste, wann die Gartenmöbel raus durften und wann man sich auf den ersten Schnee freuen konnte.
Heute ist dieses Konzept offenbar aus der Mode gekommen.
Der Frühling kommt, wenn er Lust hat. Der Sommer verwandelt sich in einen Grossraum-Backofen mit Umluft. Der Herbst bringt Regenmengen, die man früher nur aus Katastrophenfilmen kannte. Und der Winter tritt nur noch in einer gelegentlichen Gastrolle auf, wie ein ehemaliger Star, der sich ab und zu in einer Talkshow blicken lässt.
Willkommen im Zeitalter des Klimawandels!
Unser Planet hat sein Klimaprogramm überarbeitet, ohne die Bewohner zu fragen. Wobei: Wir haben ihn ja auch nicht gefragt, bevor wir anfingen, am Thermostat herumzuschrauben. Einen Kundenservice, bei dem man sich beschweren könnte, gibt es übrigens nicht. Die Warteschleife wäre auch zu heiss.
Sommer, Sonne, Schweissausbruch
Der Sommer war früher eine schöne Angelegenheit. Glace, Badesee, laue Abende auf der Terrasse.
Heute schaut man morgens aufs Thermometer und überlegt, ob man den Tag ohne Hitzeschutzanzug überhaupt übersteht.
Temperaturen über 35 Grad sind in vielen Regionen längst keine Seltenheit mehr. Hitzewellen machen Menschen, Tieren und der Natur zu schaffen. Städte werden zu riesigen Wärmespeichern, der Asphalt wird zur Grillplatte, und selbst der Schatten reicht irgendwann seine Kündigung ein.
Man sitzt reglos auf der Terrasse, schwitzt und fragt sich: Mache ich hier gerade Ferien, oder werde ich bei Niedertemperatur langsam gegart?
Besonders reizvoll ist dabei die menschliche Kreativität. Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler vor den Folgen der Erderwärmung, und wir diskutieren immer noch munter, ob es denn wirklich so schlimm sein kann.
«Es war doch früher auch schon mal heiss!»
Ja, natürlich. Und es gab auch früher schon mal Hochwasser. Und Leute, die sich den Finger an der Herdplatte verbrannt haben. Das ist trotzdem kein Beweis dafür, dass der Herd aus ist.
Dürre – wenn selbst die Natur keinen Tropfen mehr übrig hat
Während die einen in Wassermassen versinken, warten andere verzweifelt auf Regen.
Böden trocknen aus, Flüsse werden zu Rinnsalen, Pflanzen kämpfen ums Überleben, und Bauern blicken immer sorgenvoller auf ihre Felder. Die Natur hat offenbar den Energiesparmodus eingeschaltet. Den Wassersparmodus gleich mit.
Und wir? Wir sprengen den Rasen, waschen das Auto und ärgern uns, wenn unser Grün nicht mehr aussieht wie auf dem Titelbild eines englischen Gartenmagazins.
Natürlich darf der Rasen nicht leiden. Er hat uns schliesslich jahrzehntelang treu gedient, ohne je zu widersprechen.
Vielleicht ist es aber Zeit, unser Bild vom perfekten Sommergarten zu überdenken. Ein brauner Rasen ist kein persönlicher Angriff auf den Besitzer. Er ist nur ehrlich.
Überschwemmungen – Wasser marsch, aber bitte nicht hier!
Dann gibt es die andere Seite der Medaille: den Regen.
Und wenn es regnet, dann gern so, als hätte jemand beschlossen, sämtliche Wasservorräte der Erde innerhalb von 48 Stunden über einem einzigen Dorf auszuleeren.
Strassen werden zu Flüssen, Keller zu Hallenbädern und Autos zu unfreiwilligen Amphibienfahrzeugen.
Was sich lustig anhört, ist es nicht. Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Existenz und manchmal ihr Leben. Das ist die bittere Wirklichkeit hinter den spektakulären Wetterbildern, die inzwischen fast schon zum Abendprogramm gehören.
Und nach jeder Katastrophe beginnt dieselbe Diskussion: Hat das wirklich etwas mit dem Klimawandel zu tun?
Die Wissenschaft ist da ziemlich eindeutig: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen, und dadurch kann Starkregen heftiger ausfallen. Wie stark sich das regional auswirkt, hängt allerdings von vielen weiteren Faktoren ab.
Vielleicht sollten wir trotzdem aufhören, jedes Ereignis als völlig überraschende Laune der Natur zu betrachten. Überraschend ist inzwischen höchstens noch, dass wir immer noch überrascht tun.
Waldbrände – die Natur dreht den Flammenwerfer auf
Und dann wären da noch die Waldbrände.
Vor allem in Südeuropa gehören sie mittlerweile zum Sommer wie die Zikaden. Lange Trockenheit, grosse Hitze und kräftiger Wind sorgen dafür, dass sich Feuer rasend schnell ausbreiten.
Wer in Griechenland lebt, weiss: Das ist keine Meldung aus einem fernen Land. 2023 brannte es auf Rhodos und im Evros, und wenige Wochen später stand Thessalien nach dem Sturm «Daniel» unter Wasser. Feuer und Flut im selben Sommer, im selben Land. Wer da noch an Zufall glaubt, glaubt vermutlich auch, dass die Zahnpastatube sich von selbst ausdrückt.
Wenn Wälder brennen, geht es nicht um ein paar verkohlte Bäume. Es geht um Lebensräume, Tiere, Menschen, Häuser und ganze Existenzen.
Und während Feuerwehrleute unter Lebensgefahr gegen die Flammen kämpfen, sitzen wir anderswo vor dem Fernseher und überlegen, ob wir die Klimaanlage noch eine Stufe höher drehen sollen.
Ironie des Schicksals? Vielleicht. Aber eine ziemlich bittere.
Die Menschheit und ihre ganz besondere Beziehung zur Vernunft
Was mich am Klimawandel am meisten fasziniert, ist nicht einmal das Tempo, mit dem sich unser Klima verändert. Es ist unser Talent, unangenehme Wahrheiten so lange zu diskutieren, bis wir sie bequem ignorieren können. Darin sind wir Weltmeister. Leider gibt es dafür keine Medaille, nur steigende Temperaturen.
Wir wissen, dass fossile Brennstoffe die Erde aufheizen. Wir wissen, dass Wälder wichtige CO₂-Speicher sind. Wir wissen, dass unser Konsum, unsere Energieversorgung und unsere Art zu wirtschaften das Klima beeinflussen.
Und trotzdem lebt die Menschheit gern nach dem Motto: «Nach mir die Sintflut!»
Angesichts der zunehmenden Überschwemmungen eine ausgesprochen ungeschickte Redewendung.
Natürlich kann nicht jeder Einzelne die Welt retten. Niemand muss in eine Höhle ziehen, seine Kleider selbst weben und abends bei Kerzenlicht Kräutertee aus Regenwasser trinken.
Aber ein bisschen mehr Verantwortung dürfte es schon sein.
Klimaschutz ist kein esoterisches Hobby für Leute mit Jutebeutel und Dinkelbrot. Er ist eine ziemlich vernünftige Investition in die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel.
Und was machen wir jetzt?
Vielleicht wäre es an der Zeit, den Klimawandel nicht länger zu behandeln wie eine lästige Werbepause, die man einfach wegzappen kann.
Wir brauchen ernsthaften Klimaschutz, eine vernünftige Energiepolitik, einen sorgsamen Umgang mit unseren Ressourcen und vor allem eine bessere Vorbereitung auf Extremwetter.
Denn auch wenn wir den Klimawandel nicht mehr ganz aufhalten können, haben wir es durchaus noch in der Hand, wie stark er sich verschärft und wie gut wir mit den Folgen zurechtkommen.
Und nein, ein paar zusätzliche Sonnenschirme auf der Terrasse werden dafür vermutlich nicht reichen. Auch nicht die ganz grossen.
Mein persönliches Fazit
Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber ich hätte gern wieder vier anständige Jahreszeiten.
Einen Frühling, der nach Frühling aussieht. Einen Sommer, bei dem man nicht schon beim Zmorge einen Hitzschlag befürchten muss. Einen Herbst mit bunten Blättern statt Sintflut. Und einen Winter, der wenigstens ab und zu daran erinnert, dass es noch andere Temperaturen als 30 Grad gibt.
Unser Planet ist kein Freizeitpark, in dem wir nach Lust und Laune an den Klimareglern herumspielen können.
Wir haben nur dieses eine Zuhause. Und im Moment benehmen wir uns gelegentlich wie Hotelgäste, die das Zimmer verwüsten und sich anschliessend an der Rezeption über die schlechte Ausstattung beschweren.
Die Natur wartet nicht, bis es uns bequem ist.
Der Klimawandel ist kein Zukunftsproblem mehr. Er steht längst vor der Tür, klingelt Sturm und hat nicht vor, wieder zu gehen.
Und während wir noch darüber diskutieren, ob es ihn wirklich gibt, dreht unser Planet die Heizung weiter auf.
Die Rechnung bekommen wir alle.
Und die wird ziemlich heiss.

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