Gedanken sind zollfrei, aber manchmal ganz schön schwer zu tragen

Gedanken sind zollfrei. Zum Glück! Sonst stünde vor jedem Schlafzimmer ein Zollbeamter mit Stempel und strenger Miene: «Haben Sie etwas anzumelden?» Und wir müssten kleinlaut auspacken: drei Sorgen, fünf Zweifel, eine angebrochene Packung Selbstvorwürfe und diesen einen Satz, den wir vor zwanzig Jahren gesagt haben und seither jede Nacht neu verhandeln. Ohne Ergebnis, versteht sich.

Zollfrei heisst nämlich noch lange nicht federleicht. Manches Gedankengut wiegt mehr als ein Koffer voll nasser Badetücher, besonders nachts. Der Körper will schlafen, der Kopf beruft eine Krisensitzung ein. Traktandum 1: alte Fehler. Traktandum 2: Katastrophen, die garantiert nie eintreten. Traktandum 3: die Nachricht von Tante Rösli. Warum steht da ein Punkt am Satzende? Ist sie beleidigt? Um drei Uhr früh ist aus dem harmlosen Pünktchen eine ausgewachsene Familienfehde geworden. Tante Rösli schläft übrigens tief und fest.

Und Platz brauchen die Dinger! Sie drängeln am Gepäckband im Kopf und drehen Runde um Runde. Immer kommt derselbe ramponierte Koffer vorbei, den eigentlich niemand abholen will. Der vernünftige Gedanke wartet höflich hinten in der Schlange. Die Panik dagegen hat sich längst ein Upgrade erschlichen und sitzt in der ersten Klasse, mit Sekt.

Darum mein Rat aus der Gepäckaufbewahrung: Gedanken dürfen ruhig einreisen. Aber nicht jeder bekommt gleich ein Dauervisum, geschweige denn das Gästezimmer. Die guten dürfen bleiben, die nützlichen helfen beim Tragen. Der Rest landet im Fundbüro, mit dem Zettel: «Seit Jahren nicht abgeholt. Wird entsorgt.»

Denn wer jeden Gedanken für bare Münze nimmt, merkt irgendwann: Zollfrei sind sie schon. Bezahlt wird trotzdem, in Schlafstunden.

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