
Was bringt die Zukunft? Werde ich reich, schön, glücklich? Die ehrlichste Antwort der Musikgeschichte lautet: Keine Ahnung. Und sie kommt als Walzer daher.
Ein Hit wider Willen
1956 dreht Alfred Hitchcock den Thriller “Der Mann, der zuviel wusste”. Die Hauptrolle spielt Doris Day, und das Filmstudio besteht darauf: Wenn schon eine Sängerin mitspielt, dann soll sie gefälligst auch singen. Hitchcock ist mässig begeistert und bestellt beim Songschreiber-Duo Jay Livingston und Ray Evans eben ein Lied.
Doris Day mochte es anfangs auch nicht. Sie hielt es für ein Kinderliedchen, sang es im Studio in einem einzigen Durchgang ein und glaubte, damit sei die Sache erledigt. Weit gefehlt: Das Lied gewann den Oscar, stürmte die Hitparaden und klebte fortan an ihr wie Kaugummi am Schuh. Es wurde ihr Markenzeichen, und später sogar die Titelmelodie ihrer eigenen Fernsehshow.
Spanisch? Italienisch? Weder noch!
Die Idee zum Titel kam Livingston im Kino. In einem Film entdeckte er den Wahlspruch einer italienischen Adelsfamilie: “Che sarà sarà”. Die beiden Autoren machten daraus kurzerhand etwas Spanisches.
Der Haken: Korrekt ist der Satz in keiner der beiden Sprachen. Kein Spanier und kein Italiener würde das so sagen. Es ist eine Art Fantasie-Fremdsprache, die in England schon seit Jahrhunderten als Wappenspruch herumgeisterte. Der Welt war das herzlich egal, sie sang trotzdem mit.
Von Hollywood ins Fussballstadion
Im Film ist das Lied übrigens nicht bloss Dekoration. Doris Day schmettert es durch eine Botschaft, damit ihr entführter Sohn sie hört. Ein Schlager als Rettungsaktion, das muss man erst einmal hinkriegen.
Danach ging das Lied auf Weltreise:
- Die Schweizerin Lys Assia sang 1956 die deutsche Fassung “Was kann schöner sein”.
- Mary Hopkin nahm es 1969 auf, produziert von Paul McCartney.
- Sly and the Family Stone verwandelten es 1973 in eine Soul-Nummer.
- Englische Fussballfans singen es bis heute auf dem Weg ins Pokalfinale, mit eigenem Text und Ziel Wembley.
Und was will es uns nun sagen?
Das Lied erzählt ein ganzes Leben in drei Strophen. Erst fragt das kleine Mädchen die Mutter, was aus ihm wird. Dann fragt die junge Frau ihren Liebsten, was vor ihnen liegt. Und schliesslich stellen ihr die eigenen Kinder dieselbe Frage. Die Antwort bleibt immer gleich: Was sein wird, wird sein. Die Zukunft kann niemand sehen.
Das klingt nach Schicksalsergebenheit, ist aber eher Gelassenheit mit Schwung. Das Lied sagt nicht “Tu nichts”, sondern “Mach dich nicht verrückt”. Man kann planen, hoffen und grübeln, so viel man will, das Leben macht am Ende doch, was es will. Also besser gleich mitschunkeln.
Ein Rezept gegen Zukunftsangst, verpackt im Dreivierteltakt. Wahrsagerinnen dürften das Lied allerdings bis heute nicht mögen.
🎧 Zum Reinhören: https://youtu.be/xZbKHDPPrrc
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