Sarà perché ti amo: Italiens ansteckendster Ohrwurm

Drei Töne genügen, und schon wippt der Fuss, die Sonne scheint und irgendwo riecht es nach Espresso. Dieses Lied ist wie ein Kurzurlaub in Italien, nur ohne Stau am Gotthard.

Reich an Ideen, arm an Geld

Gesungen wird es von Ricchi e Poveri, auf Deutsch “Reiche und Arme”. Die Gruppe wurde 1967 in Genua gegründet. Den Namen bekam sie, weil die vier reich an Talent, aber arm im Portemonnaie waren. Das mit dem Portemonnaie sollte sich bald ändern.

Drama vor dem grossen Auftritt

1981 tritt die Gruppe mit “Sarà perché ti amo” am Festival von Sanremo an. Geschrieben haben das Lied Dario Farina, Daniele Pace und der Sänger Pupo. Doch kurz vor dem Auftritt kracht es gewaltig: Sängerin Marina Occhiena verlässt die Gruppe, begleitet von einem handfesten Skandal, über den ganz Italien tuschelt. Aus dem Quartett wird über Nacht ein Trio.

Gewonnen haben sie das Festival nicht, es reichte nur für Platz fünf. Aber wer erinnert sich heute noch an den Sieger? Eben. “Sarà perché ti amo” wurde die meistverkaufte Single des Jahres in Italien und eroberte danach halb Europa, von der Schweiz über Frankreich bis Spanien.

Vom Festival auf die Fantribüne

Das Lied hat seither ein erstaunliches Eigenleben entwickelt:

  • Ricchi e Poveri sangen es selbst auch auf Spanisch, als “Será porque te amo”.
  • Die mexikanische Sängerin Thalía machte daraus 2008 einen Latin-Pop-Hit.
  • Die Fans der AC Milan dichteten es zum Stadiongesang um, und viele andere Fankurven in Europa zogen nach.

Dazu kommt jede Italo-Party, jede Hochzeit mit italienischer Verwandtschaft und jede Pizzeria mit Selbstachtung. 2020 stand die Gruppe sogar noch einmal zu viert auf der Bühne von Sanremo, Versöhnung nach fast vierzig Jahren inklusive.

Und was will es uns nun sagen?

Der Titel heisst “Es wird wohl daran liegen, dass ich dich liebe”. Im Lied gerät alles durcheinander: Das Herz rast, der Kopf dreht sich, die Welt scheint verrückt zu spielen, und draussen ist Frühling. Die Erklärung für das ganze Chaos? Ganz einfach: Liebe.

Und falls die Welt tatsächlich aus den Fugen gerät, hat das Lied eine wunderbar italienische Lösung parat: Dann rücken wir eben ein Stück zur Seite. Bloss kein Stress.

Die Botschaft: Wer verliebt ist, dem kann der Rest der Welt gestohlen bleiben. Tiefgründig ist das nicht, aber es macht drei Minuten lang rundum glücklich, und das schaffen wenige Philosophen.

Also: Lautstärke aufdrehen, mitsingen und beim Refrain die Hände in die Luft. Italienischkenntnisse sind dafür nicht nötig, Begeisterung reicht.


🎧 Zum Reinhören: https://youtu.be/Nn1IeHL5DHY


Aus urheberrechtlichen Gründen kann der Liedtext nicht wiedergegeben werden.


Kommentare

Kommentar verfassen