Wenn du mit etwas beginnst,bist du nicht von Anfang an perfekt.Du wirst auf deinem Weg besser.Du wirst immer besser
Mal ehrlich: Mein erster Zopf sah aus wie ein Kopfkissen nach einer durchzechten Nacht. Mein erstes Lied hatte drei Strophen und vier verschiedene Melodien. Und mein erster griechischer Satz auf dem Markt brachte den Gemüsehändler so zum Lachen, dass er mir eine Gurke gratis dazugab. Hätte ich damals aufgegeben, wäre ich heute um einen Zopf, ein paar Lieder und sehr viele Gurken ärmer.
Niemand kommt als Meister auf die Welt. Nicht einmal Mozart, der hat am Anfang auch nur in die Windeln komponiert. Wer etwas Neues beginnt, stolpert, kleckert und verzählt sich. Na und? Jeder Stolperer ist ein Schritt nach vorn, nur halt mit etwas mehr Hüftschwung.
Und ja, das gilt auch für Tablet, Laptop und diese neumodische Künstliche Intelligenz. Am Anfang habe ich den Computer behandelt wie einen bissigen Hund: lieber nicht zu nah ran. Heute plaudere ich mit einer KI über Reime und Rezepte, und manchmal hat sie sogar gute Ideen. Manchmal auch nicht. Dann sage ich ihr das, und sie nimmt es mir nicht übel. Probieren kostet nichts ausser ein bisschen Mut, und kaputt machen kann man dabei weniger, als man befürchtet. Die Enkel staunen übrigens nicht schlecht.
Also: Pinsel in die Hand, Sprachbuch auf, Tanzschuhe an, Computer ein. Probier endlich das aus, was dich seit Jahren heimlich anlacht. Du wirst nicht perfekt sein. Du wirst besser. Und besser macht viel mehr Spass als perfekt. Perfekt ist nämlich fertig. Und fertig ist langweilig.
Mögliche Nebenwirkungen: Stolz, rote Backen und die verblüffende Erkenntnis, dass man viel mehr kann, als man dachte.
Je älter man wird, desto mehr weiß man gutes Essen zu schätzen. Vielleicht auch, weil das Leben irgendwann sehr deutlich macht: Auf manches kann man verzichten – auf schlechtes Essen bitte nicht.
Und tatsächlich steckt dahinter nicht nur Lebenserfahrung, sondern auch ein biologischer Grund: Mit zunehmendem Alter können Geruchs- und Geschmackssinn nachlassen. Besonders der Geruchssinn spielt für unser Geschmackserlebnis eine wichtige Rolle. Wenn Aromen nicht mehr ganz so intensiv ankommen, muss gutes Essen eben etwas mehr leisten, als lediglich satt zu machen. Es sollte duften, überraschen und im besten Fall dafür sorgen, dass man kurz vergisst, wo die Lesebrille liegt.
Dazu kommt etwas vollkommen Unwissenschaftliches, aber mindestens genauso Entscheidendes: Mit den Jahren wird man anspruchsvoller. Man hat schließlich schon genug mittelmäßige Buffets, verkochte Nudeln und traurige Kantinenkartoffeln überlebt. Irgendwann weiß man einfach, was man will – und was auf keinen Fall mehr auf den Teller darf.
Gutes Essen wird deshalb zur Lebensqualität. Es ist Genuss, Geselligkeit und ein kleines tägliches Fest. Es bringt Menschen an einen Tisch, verlängert Gespräche und macht aus einem gewöhnlichen Dienstag einen ziemlich gelungenen Dienstag.
Und das Beste: Für gutes Essen ist man nie zu alt. Im Gegenteil. Mit jedem Lebensjahr wächst die Erfahrung – und hoffentlich auch die Bereitschaft, sich beim Dessert nicht mehr unnötig zurückzuhalten.
– oder: Warum das Leben kein Abo mit automatischer Verlängerung ist
«Man vergisst so leicht, wie wertvoll ein Tag ist –bis man erkennt, dass kein einziger zurückkommt.Unsere Zeit ist nur geliehen.»
Hand aufs Herz: Wie beginnen wir eigentlich einen neuen Morgen? Meist nicht mit einem feierlichen «Danke, lieber Tag, schön, dass du da bist!», sondern mit einem Griff zum Handy, einem Blick auf die To-do-Liste und einem leisen Seufzer. Kaum sind die Augen offen, rattert schon das Kopfkino: Was muss heute noch alles erledigt werden? Was war gestern wieder los? Und was, um Himmels willen, bringt das Morgen? Dabei übersehen wir ganz elegant das Wertvollste, das wir besitzen – den Augenblick, in dem wir gerade mittendrin stecken.
Die Sache mit dem «Später»
Ein Tag kommt uns so selbstverständlich vor wie der Kaffee am Morgen. Es gibt ja genug davon, denken wir – Nachschub garantiert. Also schieben wir auf. Die Freundin anrufen? Nächste Woche. Endlich diesen Tanzkurs ausprobieren? Wenn’s ruhiger wird. Einfach mal auf einer Bank sitzen und nichts tun? Wenn alles erledigt ist. (Kleiner Spoiler: Es ist nie alles erledigt.) Dumm nur, dass sich das Leben herzlich wenig um unseren Terminkalender schert.
Kein Tag mit Rückgaberecht
Vergangene Zeit lässt sich nicht umtauschen, nicht zurückspulen und auch nicht reklamieren. Selbst der schönste Moment kommt nie ein zweites Mal genau gleich daher – das Leben hat schlicht keine Wiederholungstaste. Jeder Tag ist ein Unikat: mit seinen Begegnungen, seinen kleinen Freuden, seinen Stolpersteinen und all den unscheinbaren Augenblicken, deren Zauber wir oft erst im Rückspiegel erkennen.
Leihgabe mit unbekanntem Rückgabedatum
Dass unsere Zeit nur geliehen ist, klingt erst einmal ernüchternd. Wir sind eben nicht die Besitzer, sondern bloss die Ausleiher – und das Kleingedruckte mit der Rückgabefrist hat uns leider niemand gezeigt. Wir wissen nicht, wie viele Tage noch auf unserem Konto liegen. Gerade deshalb wäre es jammerschade, sie ausschliesslich mit Pflichten, Sorgen und dem ewigen Wettrennen nach «noch mehr» zu füllen.
Keine Panik: Es gibt keinen Glückszwang
Bevor jetzt jemand in Hektik verfällt und beschliesst, ab sofort täglich Fallschirm zu springen: Darum geht es nicht. Niemand muss rund um die Uhr strahlen wie ein Werbeplakat für Zahnpasta. Auch graue, stille, mühsame und völlig gewöhnliche Tage gehören zum Leben dazu. Manchmal liegt ihr Wert ganz einfach darin, dass wir da sind. Dass ein vertrauter Mensch neben uns sitzt. Dass draussen ein Vogel singt, die Sonne kurz durch die Wolken blinzelt oder wir für einen Moment einfach tief durchatmen können.
Drei kleine Fragen für zwischendurch
Vielleicht lohnt es sich, ab und zu kurz innezuhalten und sich ehrlich zu fragen:
Verbringe ich meine Zeit mit dem, was mir wirklich wichtig ist?
Wissen die Menschen, die ich liebe, eigentlich, wie viel sie mir bedeuten – oder gehe ich einfach davon aus, dass sie es schon irgendwie merken?
Und erlaube ich mir selbst, das Leben nicht bloss als endlose Liste von Aufgaben zum Abhaken zu sehen?
Denn ein Tag muss nicht spektakulär sein, um wertvoll zu sein. Er muss nur gelebt werden.
Was wir tun können – und zwar ab heute
Festhalten können wir die Zeit nicht, und einen verpassten Tag kann man auch nicht nachträglich zurückfordern. Aber wir können bewusster mit dem umgehen, was heute auf dem Tisch liegt. Ein bisschen liebevoller sein. Ein bisschen dankbarer. Und vor allem: aufhören, das gute Leben ständig auf «irgendwann» zu verschieben. Das schöne Geschirr darf auch an einem gewöhnlichen Dienstag auf den Tisch, und das feine Parfum muss nicht auf einen besonderen Anlass warten.
Vielleicht ist genau das die Botschaft dieses Spruchs: Warten wir nicht darauf, dass uns das Leben einen besonderen Anlass auf dem Silbertablett serviert. Der heutige Tag ist der Anlass.
Denn was heute unser Leben ist, ist morgen schon Erinnerung. Sorgen wir also dafür, dass es eine schöne wird.
Oder: Warum das Tal immer genau das zurückruft, was du hineinrufst
Was du aussendest, kommt zurück. Was du säst, erntest du. Was du gibst, bekommst du. Was du in anderen siehst, existiert in dir. Denk daran: Das Leben ist ein Echo. Es kommt immer wieder zu dir zurück. Sei gütig.
Kennst du das? Du stehst auf einem Berg, rufst «Hallo!» ins Tal – und das Tal antwortet brav: «Hallo!» Nicht «Guten Tag, gnädige Frau», nicht «Was willst du denn schon wieder?», sondern genau das, was du hineingerufen hast. Das Echo ist ehrlich. Gnadenlos ehrlich.
Schon die alten Griechen wussten das. Die Nymphe Echo hat zu viel geplaudert, worauf Hera ihr kurzerhand den eigenen Wortschatz abgestellt hat: Seither darf sie nur noch die letzten Worte der anderen wiederholen. Eine harte Strafe – aber eine ziemlich gute Lebensweisheit.
Denn mit dem Leben ist es ganz ähnlich. Nur dauert es manchmal etwas länger, bis die Antwort zurückkommt. Und manchmal kommt sie mit Akzent.
Freundlichkeit ist ansteckend (Miesepetrigkeit leider auch)
Wer morgens die Bäckerin anlächelt, bekommt erstaunlich oft ein Lächeln zurück – manchmal sogar das knusprigere Brot. Wer dagegen mit einer Gewitterwolke über dem Kopf in den Tag stapft, wundert sich, warum es überall regnet.
Unsere Worte, unser Ton, unsere Haltung: All das hallt nach. In den Menschen um uns herum und in den Beziehungen, die wir führen. Manchmal länger, als uns lieb ist.
Säen und ernten – ohne Garantieschein
Jede Begegnung ist ein kleines Gartenbeet. Ein ehrliches Wort hier, ein offenes Ohr dort, eine helfende Hand zwischendurch – schon ist etwas gesät. Was daraus wächst? Keine Ahnung. Manches spriesst sofort, anderes braucht Jahre, und einiges frisst die Schnecke.
Eines aber ist sicher: Wer nichts sät, braucht sich über die leere Erntekiste nicht zu wundern.
Der Spiegel-Trick
«Was du in anderen siehst, existiert in dir.» Autsch – dieser Satz kann zwicken. Was dich an anderen begeistert, zeigt dir, was dir wichtig ist. Und was dich auf die Palme bringt? Das lohnt einen zweiten Blick: auf die eigenen Erwartungen, die eigenen Erfahrungen und, ja, auch auf die eigenen Vorurteile.
Keine Sorge: Nicht jeder Drängler auf der Autobahn ist ein heimlicher Spiegel deiner Seele. Manchmal ist ein Drängler einfach ein Drängler. Aber jede Begegnung ist eine Chance, sich selbst ein bisschen besser kennenzulernen.
Das Kleingedruckte
Jetzt die ehrliche Fussnote: Das Leben ist kein Kaugummiautomat. Man wirft oben keine gute Tat hinein, damit unten garantiert eine Belohnung herausfällt. Auch freundliche Menschen erleben Unfreundlichkeit, und nicht jede gute Tat wird erwidert.
Das Echo ist also kein Versprechen. Eher eine Erinnerung: Wie wir anderen begegnen, haben wir selbst in der Hand.
Also: Was rufen wir hinein?
Wir können nicht bestimmen, wie andere sich verhalten. Wir können nicht jede Reaktion vorhersehen und schon gar nicht alles kontrollieren (glaub mir, ich hab’s versucht). Aber wir können entscheiden, mit welcher Haltung wir durchs Leben spazieren.
Sei gütig. Nicht, weil es dafür eine Treuekarte mit Stempeln gibt, sondern weil Güte die Welt ein wenig menschlicher macht.
Denn manchmal ist das schönste Echo nicht das, was zu uns zurückkommt – sondern das Gute, das durch uns weiterklingt.
Man nehme: 1 Zürcher Texterin mit spitzer Feder, 1 Margarinefabrik ohne Gesicht, 1 Prise amerikanische Inspiration und 1 Frauennamen, der nach Sonntagszopf klingt. Gut umrühren, 70 Jahre ziehen lassen. Ergibt: die berühmteste Köchin der Schweiz. Die hat allerdings nie gelebt.
Die Frau hinter der Schürze
Betty Bossi hatte keine Küche, keinen Kochlöffel und keinen Geburtstag. Was sie hatte, war Emmi. Emmi Maag kam am 3. September 1912 in Zürich-Unterstrass zur Welt. Die Mutter war Hausfrau, der Vater bei der Bahn. Emmi machte das KV, holte abends die Matura nach und studierte fünf Semester Germanistik. Goethe, Schiller und Margarine: Das klingt nach einer seltsamen Karriereleiter, aber sie führte direkt nach oben.
Sie landete in der Werbung, als Texterin in einer Männerwelt voller Krawatten und Zigarrenrauch. Nebenbei heiratete sie Ernst Creola, bekam drei Kinder und schmiss den Haushalt. Ihre Marktforschung musste sie also nicht teuer einkaufen. Die stand jeden Abend hungrig am Küchentisch.
1956: Eine Frau wird erfunden
1956 klopfte der Speisefetthersteller Astra aus Steffisburg an: Man solle doch bitte Margarine und Öl unter die Leute bringen. Emmi hatte eine Idee, die heute in jedem Marketingkurs auf Folie 1 steht: Gib der Werbung ein Gesicht. «Mein Ziel war es, die gesamte Werbung auf eine Person zu konzentrieren», sagte sie. In Amerika verkaufte Betty Crocker schon seit Jahrzehnten Backmischungen. Emmi schaute hin, klaute nicht, sondern verschweizerte. Heraus kam Betty Bossi, eine Frau mit Lächeln, Unterschrift und einem Namen, den man sofort für die nette Nachbarin hält.
Die erste «Betty Bossi Post» lag gratis in den Läden auf. Der erste Artikel trug den Titel: «Was soll ich heute kochen?» Das war die Frage aller Fragen, die Generationen von Hausfrauen jeden Morgen zwischen Wäsche und Einkaufszettel quälte. Betty wusste Rat: einen Brotauflauf mit Äpfeln. Zubereitet mit «Astra-10». Was für ein Zufall.
Briefkastentante der Nation
Betty wurde zur besten Freundin der Schweizer Küchen. Die Leserinnen schrieben ihr Briefe, als wäre sie die Schwester, die man nie hatte. Warum werden meine Plätzli zäh? Betty antwortete: kurz anbraten, nicht zu dünn schneiden. Viele glaubten fest, irgendwo in der Schweiz stehe eine echte Frau Bossi am Herd. Emmi tat wenig, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Bei Anlässen trat sie gleich selbst als Betty auf. Nennen wir es Method Acting mit Margarine.
Heute würde man sagen: Emmi war die erste Influencerin der Schweiz. Nur ohne Handy, ohne Filter und ohne Selfie mit Tiramisu.
Und jetzt der Clou: 1956 brauchte eine verheiratete Schweizerin für eine Arbeitsstelle noch die Unterschrift ihres Mannes. Abstimmen durfte sie erst ab 1971. Emmi hatte also kein Stimmrecht, aber das ganze Land am Kochlöffel. Politik ist eben nicht alles. Manchmal reicht ein gutes Rezept.
Betty macht weiter, Emmi macht Pause
Fünfzehn Jahre lang schrieb Emmi die Betty Bossi Post. 1971 ging sie vorzeitig in Pension, ausgebrannt, wie sie selbst sagte. Wer anderthalb Jahrzehnte lang zwei Frauen gleichzeitig ist, darf einmal die Füsse hochlegen.
Betty dagegen kannte keinen Feierabend. 1973 kam das erste Betty-Bossi-Kochbuch heraus, inzwischen sind es rund 35 Millionen verkaufte Exemplare. Allein «Kuchen, Cakes und Torten» ging über 1,3 Millionen Mal über den Ladentisch. Als Betty 1984 das Tiramisu-Rezept brachte, war in der ganzen Schweiz innert kurzer Zeit der Mascarpone ausverkauft. Ein Rezept, ein Land, leere Kühlregale. Davon träumt jede Influencerin bis heute. Heute gehört Betty zu Coop und lächelt von Hunderten Verpackungen. Für eine Frau, die nie gelebt hat, ist das eine erstaunlich steile Karriere.
Der letzte Gang
Emmi Creola-Maag zog sich nach Winkel im Zürcher Unterland zurück, führte bis über neunzig ihren eigenen Haushalt und starb am 2. Oktober 2006 im Alter von 94 Jahren. Ende 2025 kam ihr Leben als Spielfilm «Hallo Betty» mit Sarah Spale ins Kino. Nach fast siebzig Jahren stand im Abspann endlich der richtige Name.
Und ich? Ich gestehe: Auch in meinem Chuchichäschtli steht ein Betty-Bossi-Buch, mit Fettflecken genau an den besten Stellen. Jahrelang habe ich der falschen Frau gedankt. Also: Danke, Emmi! Und Betty, nimm’s nicht persönlich.
Es gibt Komiker, die einen Witz erzählen. Und es gibt Emil. Er braucht keinen Witz, er braucht bloss zwei buschige Augenbrauen, einen Blick wie ein Kalb vor dem neuen Gatter und eine Pause, die eine Spur zu lang ist. Damit hat der Luzerner halb Europa zum Lachen gebracht. Und das mit einem Akzent, den man nördlich des Rheins plötzlich nicht mehr belächelte, sondern bejubelte.
Ein Mann mit Pensionsanspruch
Emil kam am 6. Januar 1933 in Luzern zur Welt. Seine Eltern hatten klare Vorstellungen: Der Bub soll etwas Rechtes werden. Etwas mit Pensionskasse. Also wurde Emil Postbeamter und stempelte neun Jahre lang am Schalter Briefe, Pakete und Einzahlungsscheine. Am Abend stand er heimlich mit Theater- und Kabarettgruppen auf der Bühne. Tagsüber Porto, nachts Pointen.
1960 kündigte er die sichere Beamtenstelle. Seine Eltern waren entsetzt, und vermutlich war es auch die Post – wer sollte jetzt so schön verdutzt «Eingeschrieben?» fragen? Emil liess sich zum Grafiker ausbilden. Sicher ist sicher. Ein bisschen jedenfalls.
Vom Cabaradiesli zum eigenen Theater
Auf der Bühne ging es Schritt für Schritt aufwärts: zuerst im Ensemble «Cabaradiesli», dann allein mit Programmen wie «Emil und die 40 Räuber», «Emils Neid-Club» und «Onkel Emils Hütte». Die Texte schrieb damals noch ein Schulfreund. Bis Kollege Franz Hohler ihm sinngemäss sagte: «Das kannst du doch selber.» Er konnte.
1967 gründete Emil mit seiner damaligen Frau Maya das Kleintheater Luzern, das es bis heute gibt. Er betrieb nebenbei auch noch ein Kino. Andere Leute haben ein Hobby, Emil hatte eine Kulturmeile.
Emil wird Emil
Dann kam die Figur, die ihn unsterblich machte: Emil, der freundliche Herr, der alles ganz genau verstehen will und dabei zuverlässig in jedes Fettnäpfchen tritt. Er schaut, er zögert, er versteht zu spät – und genau in dieser Lücke liegt das Publikum am Boden. Emil ist kein Witzbold. Emil ist der Witz.
Mit «Geschichten, die das Leben schrieb», «E wie Emil» und «Emil träumt …» eroberte er in den 1970er-Jahren Deutschland und Österreich. Plötzlich versuchten Hamburger und Wiener, Schweizerdeutsch nachzumachen. Mit überschaubarem Erfolg. Das Chuchichäschtli ist eben kein Anfängerwort.
Manege frei für den Ex-Pöstler
1977 ging Emil mit dem Circus Knie auf Tournee, neun Monate lang, als «Kniemil». Die Zelte waren voll, die Besucherzahlen rekordverdächtig. Ein ehemaliger Postbeamter in der Zirkusmanege: Das klingt nach einer Emil-Nummer, ist aber tatsächlich passiert. 1980 rettete er dann gleich noch den Circus Roncalli, mit eigenem Geld und als Regisseur. Andere kaufen sich mit dem ersten grossen Geld ein Auto. Emil kaufte sich ein Zirkuszelt voller Probleme.
Der Schweizermacher
1978 spielte er in Rolf Lyssys Kinohit «Die Schweizermacher» den jungen Beamten Moritz Fischer. Fischer prüft zusammen mit seinem pedantischen Chef Bodmer, ob Ausländer schweizerisch genug sind. Er schaut ihnen in die Kochtöpfe, in die Kehrichtsäcke und am liebsten ins Gewissen. Ausgerechnet er verliebt sich dabei in eine der Kandidatinnen. Der Film wurde einer der erfolgreichsten Schweizer Filme aller Zeiten. Die Schweiz lachte über sich selbst und merkte es kaum.
Ab nach New York
1987 gab Emil mit 54 Jahren seine vorerst letzte Vorstellung. 1993 zog er nach New York, wo ihn niemand kannte. Für einen Mann, den im deutschsprachigen Raum jedes Kind erkennt, war das so etwas wie Ferien vom eigenen Gesicht.
Dort lernte er Niccel Kristuf kennen und heiratete sie 1999. Wer die grosse Liebe sucht, sollte also offenbar zuerst über den Atlantik auswandern. Aus der New Yorker Zeit entstand das Buch «Emil via New York». Ein anderes seiner Bücher heisst «Wahre Lügengeschichten». Einen treffenderen Untertitel für sein ganzes Lebenswerk könnte man kaum erfinden.
Ruhestand? Kennt er nur vom Hörensagen
Nach der Rückkehr in die Schweiz spielte er das Programm «Drei Engel!» rund 900 Mal. Zum 80. Geburtstag folgte «Lachzig», danach «Emil – No einisch» und «Emil schnädered». Mit 86 stand er in einem einzigen Jahr 125 Mal auf der Bühne. Andere in diesem Alter suchen ihre Lesebrille, Emil suchte den nächsten Saal.
Preise für sein Lebenswerk hat er inzwischen so viele gesammelt, dass man meinen könnte, er habe mehrere Leben gelebt: einen Elch, einen Stier, einen Humorfüller, eine Ehrenrose und einiges mehr. 2024 kam am Zurich Film Festival das «Golden Eye» dazu. Am selben Festival feierte der Dokumentarfilm «Typisch Emil – Vom Loslassen und Neuanfangen» Premiere. Der Titel passt: Loslassen und neu anfangen, das hat er sein Leben lang geübt.
Das Geheimnis
Warum lachen wir seit Jahrzehnten über diesen Mann? Vielleicht, weil Emil nie cool sein wollte. Er erklärt uns die Welt nicht. Er schaut sie nur mit hochgezogenen Augenbrauen an und zeigt sie uns, wie sie ist: kompliziert, kleinkariert, liebenswert und manchmal zum Schiessen komisch.
Emil Steinberger ist nicht einfach ein Kabarettist. Er ist eine Schweizer Institution mit Augenbrauen. Und der lebende Beweis, dass ein einziger verdutzter Blick mehr bewirken kann als hundert Pointen. Bei mir jedenfalls.
Man nehme eine Schweizerin, setze sie unter die griechische Sonne, gebe ihr am 1. August ein Glas in die Hand und warte ab. Spätestens beim zweiten Glas ist das Lied fertig. Ganz so einfach war es nicht, aber viel hat nicht gefehlt.
Wir Auslandschweizer haben einen Ruf zu verteidigen. Zu Hause denkt man gern, wer einmal ans Meer gezogen ist, habe die Heimat gegen Sonnencreme und Souvlaki eingetauscht. Falsch gedacht! Wir wissen noch genau, was im Sommer 1291 passiert ist. Damals standen die Männer aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli, hoben die Hand und schworen, einander beizustehen und sich von niemandem herumkommandieren zu lassen. Der Bundesbrief wurde aufgesetzt und gesiegelt, und fertig war der Anfang der Eidgenossenschaft. Ganz ohne Ouzo übrigens, was wir Griechenland-Schweizer heute grosszügig nachholen.
Genau darum geht es in diesem Song. Auch wenn unser Alphorn inzwischen mit einer Bouzouki im Duett spielt, schlägt unser Herz rot-weiss. Am 1. August brennt bei uns zwar kein Höhenfeuer auf dem Säntis, dafür ein Grill im Freien. Statt Cervelat gibt es manchmal Loukaniko, und die Lampions hängen an einem Olivenbaum. Die Kinder singen in zwei Sprachen durcheinander, und niemand beschwert sich.
Griechenland hat uns mit offenen Armen aufgenommen, mit Sonne, Meer und einer Gastfreundschaft, von der man in Bern noch etwas lernen könnte. (Sorry, Bern! 😉) Darum gehört der griechische Glückwunsch «Χρόνια Πολλά» in den Refrain. Er bedeutet «Viele Jahre!» und ist unser Geburtstagsständchen für die Schweiz, gesungen von der Wahlheimat für die alte Heimat.
Ein Schwur unter Freunden, dass man zusammenhält, egal wie weit man auseinander wohnt: Eigentlich ist das ziemlich griechisch und ziemlich schweizerisch zugleich. Vielleicht verstehen sich die beiden Länder deshalb so gut.
Also: Lautsprecher aufdrehen, Fahne raus, Glas hoch und mitsingen, am besten so laut, dass man es bis ins Rütli hört!
Χρόνια Πολλά Ελβετία! Hopp Schwiiz – und Γεια μας!
Die Sonne steigt über die Ägäis empor, doch im Herzen klingt ein anderer Chor. Von den Alpen bis ans blaue Meer, die Heimat fehlt uns manchmal sehr. Wir tragen Rot und Weiß im Wind, weil wir Schweizer geblieben sind. Auch fern von daheim, Jahr für Jahr, bleibt unsere Liebe wunderbar.
Ob Zürich, Bern oder das Basel-Land, wir halten die Erinnerung in der Hand. Heute feiern wir, egal wie weit, uns verbindet Raum und Zeit.
Χρόνια Πολλά Ελβετία! Unsere Herzen schlagen immer mit dir. Am ersten August sind wir vereint, wo die Sonne über Griechenland scheint.
Χρόνια Πολλά Ελβετία! Von der Ägäis bis zum Alpenlicht. Die Heimat lebt in jedem Lied, weil sie uns niemals wirklich verlässt. Der Grill ist heiß, das Glas wird erhoben, Freunde erzählen von früher und oben.
Von Gipfeln, Seen und Morgenrot, von Freiheit, Mut und Weißbrot. Kinder lachen in zwei Sprachen laut, weil Zukunft Brücken baut. Zwei Länder schenken uns ihr Glück, doch die Schweiz bleibt das Herzstück.
Kerzen leuchten in der Sommernacht, jeder hat an Zuhause gedacht. Doch heute wissen wir genau: Heimat lebt im Herzen – immer und überall.
Χρόνια Πολλά Ελβετία! Unsere Herzen schlagen immer mit dir. Am ersten August sind wir vereint, wo die Sonne über Griechenland scheint.
Χρόνια Πολλά Ελβετία! Von der Ägäis bis zum Alpenlicht. Die Heimat lebt in jedem Lied, weil sie uns niemals wirklich verlässt.
Von den Alpen bis zum Mittelmeer, unsere Wurzeln tragen uns immer mehr. Die Fahne weht im warmen Wind – weil wir Schweizer im Herzen sind.
Lass deine Diener die Auferstehung deines Sohnes erblicken, Jungfrau – Alle Generationen
Das Lied ist Teil der sogenannten Lamentationen (Epitaphios-Threnoi), die in der orthodoxen Kirche am Karfreitagabend (während der Matutin des Karsamstags) gesungen werden. Die Gläubigen stehen dabei vor dem Epitaphios, einer symbolischen Grabtuch-Ikone Christi, und beklagen den Tod Jesu, während gleichzeitig schon die Hoffnung auf die Auferstehung durchschimmert. Ein besonders berührender Moment ist die Strophe „O glyky mou ear“, in der die Gottesmutter Maria den Verlust ihres Sohnes wie das Vergehen des Frühlings beklagt. Das Lied gehört zu den bekanntesten und emotionalsten orthodoxen Kirchengesänge.
Αι γενεαί πάσαι, ύμνον τη Ταφή Σου, προσφέρουσι Χριστέ μου. Καθελών του ξύλου, ο Αριμαθείας, εν τάφω Σε κηδεύει. Μυροφόροι ήλθον, μύρα σοι, Χριστέ μου, κομίζουσαι προφρόνως. Δεύρο πάσα κτίσις, ύμνους εξοδίους, προσοίωμεν τω Κτίστη. Ούς έθρεψε το μάννα, εκίνησαν την πτέρναν, κατά του ευεργέτου. Ιωσήφ κηδεύει, συν τω Νικοδήμω, νεκροπρεπώς τον Κτίστην.
Ω γλυκύ μου έαρ, γλυκύτατόν μου Τέκνον, πού έδυ σου το κάλλος; Υιέ Θεού παντάναξ, Θεέ μου πλαστουργέ μου, πώς πάθος κατεδέξω; Έρραναν τον τάφον αι Μυροφόροι μύρα, λίαν πρωί ελθούσαι. Ω Τριάς Θεέ μου, Πατήρ Υιός και Πνεύμα, ελέησον τον κόσμον. Ιδείν την του Υιού σου, Ανάστασιν, Παρθένε, αξίωσον σους δούλους.
Alle Generationen bringen Deiner Grablegung ein Loblied dar, mein Christus. Er nimmt dich vom Kreuz, der Mann aus Arimathäa, und legt dich in ein Grab. Die Myrrheträgerinnen kamen und brachten Dir, mein Christus, eifrig wohlriechende Salben (Myrrhe). Lasst die ganze Schöpfung himmlische Lobgesänge der Sühne darbringen. Die vom Manna genährt wurden, wandten sich gegen den Wohltäter. Joseph bestattet zusammen mit Nikodemus den Schöpfer in Würde. Oh mein süßer Frühling, mein liebster Sohn, wo ist deine Schönheit geblieben? Allmächtiger Sohn Gottes, mein Gott, mein Schöpfer, wie soll ich dieses Leiden ertragen? Die Myrrhenträgerinnen salbten das Grab mit Myrrhe als sie früh am Morgen kamen. O mein Dreifaltiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, erbarme Dich der Welt. Lass deine Diener die Auferstehung deines Sohnes erblicken, Jungfrau.
In Griechenland gehört das Singen der Πρωτοχρονιάτικα Κάλαντα zu den traditionellen Bräuchen rund um den Jahreswechsel. Die Neujahrslieder werden vor allem am 31. Dezember, dem Vorabend des neuen Jahres, von Kindern gesungen. Sie ziehen von Haus zu Haus, klingeln an den Türen und fragen traditionell: „Να τα πούμε;“ – „Sollen wir sie vortragen?“ Anschließend singen sie die Kálanta und wünschen den Bewohnern Glück und ein gutes neues Jahr.
Typischerweise begleiten die Kinder ihren Gesang mit einem Dreieck (τρίγωνο). Als Dank für ihre Neujahrswünsche bekommen sie Süßigkeiten, kleine Geschenke oder Geld. Dabei steht nicht nur das Singen selbst im Mittelpunkt: Die Kálanta sind Teil eines gemeinschaftlichen Brauchs, bei dem Glücks- und Segenswünsche für das kommende Jahr überbracht werden. Je nach Region und Interpretation unterscheidet sich der Text leicht.
Das verlinkte YouTube-Video zeigt „Σήμερα γάμος γίνεται“ in der Interpretation von Ελένη Λεγάκη (Eleni Legaki). Das Lied ist ein traditionelles griechisches Hochzeitslied; es gibt regionale und interpretatorische Varianten. Der folgende Liedtext und die deutsche Übertragung sind auf die verbreitete Fassung mit den Strophen über die Mutter und die Tochter, die Pflichten des Bräutigams sowie den Adler und das Rebhuhn abgestimmt. Die Strophen über die Hochzeitszeugen und die Vermählung von Adler und Taube gehören nicht zu dieser hier wiedergegebenen Fassung.
Herkunft
Das Lied gehört zur griechischen Volkstradition und wird in unterschiedlichen regionalen Fassungen gesungen. Die hier zugrunde gelegte Aufnahme ist die Interpretation von Ελένη Λεγάκη (Eleni Legaki); die Aufnahme ist als traditionelles Lied ausgewiesen. Eine dokumentierte Fassung wird den Kykladen bzw. Paros zugeordnet. Wie bei mündlich überlieferten Volksliedern können Text, Reihenfolge und Zahl der Strophen je nach Region und Interpretation abweichen.
Bedeutung
„Die Mutter trennt sich von ihrer Tochter“: Die Zeile beschreibt den Abschied der Braut von ihrer Mutter und dem Elternhaus.
„Bräutigam, liebe die Braut“: Der Bräutigam wird aufgefordert, seine Frau liebevoll zu behandeln und sie nicht zu schelten. Das Bild des Basilikums („wie das Basilikum auf der Erde“) unterstreicht, wie sehr er sie schätzen soll.
„Adler und Rebhuhn“ (αητός – πέρδικα): In diesen Strophen wird der Bräutigam als stolzer Adler angesprochen; das Rebhuhn in seinen Armen steht bildhaft für die Braut. Der Text fordert ihn auf, seine Flügel auszubreiten und die Braut zu behüten.