Autor: Textstübli à la carte

  • Raclette: Wenn der Käse schmilzt und die guten Vorsätze gleich mit

    Raclette: Wenn der Käse schmilzt und die guten Vorsätze gleich mit

    Wie schön ist es doch, wenn Familie und Freunde an einem Tisch zusammenkommen! Ein runder Geburtstag, ein Jubiläum, ein Wiedersehen oder einfach ein kalter Winterabend, der nach Gemütlichkeit schreit: Gründe gibt es genug. Und wenn gefeiert wird, dann wird der Racletteofen aus dem Keller geholt, der Käse in Stellung gebracht und der Tisch mit so vielen Beilagen beladen, dass man meinen könnte, ein kleiner Quartierladen hätte Ausverkauf.

    Raclette ist nämlich nicht einfach ein Essen. Raclette ist ein gesellschaftliches Experiment. Hier zeigt sich, wer Geduld hat, wer teilen kann und wer heimlich schon das dritte Pfännchen unter dem Grill parkiert, während die anderen noch überlegen, ob sie vielleicht zuerst eine Kartoffel essen sollten. Jeder bestückt sein eigenes Pfännchen, und plötzlich hält sich jeder für einen Spitzenkoch. Da wird geschichtet, kombiniert, gewürzt und mit grosser Ernsthaftigkeit über die perfekte Mischung diskutiert. Als hinge das Gelingen des ganzen Abends davon ab, ob man zwei oder drei Scheiben Käse ins Pfännchen legt. (Drei. Die Antwort ist immer drei.)

    Und dann der Käse! Schön schmelzend, herrlich würzig und mit der wunderbaren Gabe, selbst die bescheidenste Kartoffel in einen Festschmaus zu verwandeln. Kaum ist er goldbraun, wird er über die Beilagen geschabt, als handle es sich um flüssiges Gold. Wer jetzt noch behauptet, Käse sei bloss ein Milchprodukt, hat den Sinn des Lebens nicht verstanden.

    Kartoffeln sind Pflicht, Cornichons und Silberzwiebeln sorgen für die nötige Säure. Dazu kommen Speck, Schinken, Pilze, Peperoni, Mais und Saucen. Schliesslich könnte ja jemand plötzlich Lust auf Mais haben. Oder auf Ananas. Und wer würde es wagen, einem Gast an einem Festabend sein kulinarisches Glück zu verwehren?

    Das Schönste am Raclette: Niemand steht stundenlang allein in der Küche, während die anderen feiern. Jeder ist für sein Pfännchen selbst verantwortlich. Das hält allerdings niemanden davon ab, neugierig in die Pfännchen der anderen zu schielen. «Was hast du denn da drin?» ist die häufigste Frage des Abends, dicht gefolgt von «Bist du sicher, dass das schon fertig ist?» und «Machst du mir auch so eines?» Natürlich macht man das. Raclette ist schliesslich das Fest der Freundschaft und des grosszügigen Käseverteilens.

    Mit fortschreitender Stunde ändert sich die Stimmung am Tisch. Die ersten Pfännchen sind kleine Kunstwerke: die Kartoffel sorgfältig platziert, die Pilze hübsch verteilt, der Käse akkurat darübergelegt. Spätestens ab der dritten Runde sinkt der gestalterische Anspruch. Dann kommt hinein, was noch übrig ist, Käse drauf und die Hoffnung, dass der Grill die kulinarische Verantwortung übernimmt. Hauptsache, es schmeckt!

    Und natürlich gibt es an jedem Racletteabend die bekannten Typen. Der vorsichtige Gast behauptet nach jedem Pfännchen, er sei eigentlich schon satt, und schiebt dann doch noch eines nach. Der Stratege rationiert seine Kartoffeln, damit er möglichst viele Käserunden übersteht. Der Käsefan betrachtet die Beilagen als lästige Dekoration, die man nur aus Gründen des Anstands auf den Teller legt. Und irgendwo sitzt garantiert jemand, der das letzte Stück Käse entdeckt und zugreift, bevor überhaupt jemand gemerkt hat, dass es das letzte war. Freundschaft hin oder her: Beim letzten Stück Raclettekäse hört die Gemütlichkeit kurz auf.

    Irgendwann zu fortgeschrittener Stunde fallen dann die ersten guten Vorsätze: «Ab Montag esse ich gesünder.» «Ab morgen nur noch Salat.» «Nächste Woche fange ich wieder mit Joggen an.» Sehr löblich! Bemerkenswert nur, dass solche Vorsätze ausgerechnet dann verkündet werden, wenn noch ein halbes Kilo Käse und genug Beilagen für eine kleine Hochzeitsgesellschaft auf dem Tisch stehen. Aber keine Sorge: Montag ist ja noch weit weg. Bis dahin gilt die Übergangsregelung.

    Und so wird weitergeschmolzen, geschwatzt und geschlemmt, bis die Kerzen heruntergebrannt sind. Man hebt noch einmal die Gläser, und derjenige, der den ganzen Abend die Kartoffeln nachgekocht hat, bekommt eine besonders herzliche Umarmung. Dann sitzt man zufrieden am Tisch, mit vollem Bauch und dem schönen Gefühl, einen richtig guten Abend miteinander verbracht zu haben.

    Raclette bringt sogar Menschen friedlich an einen Tisch, die sich sonst nicht einmal über die richtige Temperatur im Wohnzimmer einigen können. Und wenn am nächsten Morgen jemand fragt, warum man sich fühlt, als hätte man einen kleinen Käseladen verschluckt, ist die Antwort ganz einfach: Es war ein Fest! Der neue Tag darf gerne mit einem leichten Frühstück beginnen. Ohne Käse. Na ja, ausser es wäre noch welcher übrig.

    Rezept: Raclette für 6 Personen

    Mit reichlich Käse, Kartoffeln und vielen Beilagen. Die Mengen lassen sich nach Appetit und Gästezahl anpassen.

    1. Der Käse: der unbestrittene König des Abends

    • 1,2–1,5 kg Raclettekäse nature
    • nach Belieben 200–300 g gewürzter Raclettekäse, zum Beispiel mit Pfeffer, Knoblauch oder Kräutern

    Als Richtwert rechnet man mit 200–250 g Käse pro Person. Sitzen besonders leidenschaftliche Käsefans am Tisch, lieber etwas mehr einplanen. Es wäre eine Tragödie, wenn der Käse ausgeht, bevor der Abend richtig angefangen hat.

    Den Käse in Scheiben schneiden und auf einer Platte anrichten, verschiedene Sorten getrennt. Im Racletteofen schmelzen, bis er weich ist und eine appetitliche goldene Oberfläche hat.

    2. Die Kartoffeln: Ohne sie läuft gar nichts

    • 1,5–2 kg kleine, festkochende Kartoffeln
    • Salz
    • nach Belieben etwas Kümmel

    Die Kartoffeln gründlich waschen und ungeschält in Salzwasser je nach Grösse 20–25 Minuten weich kochen. Abgiessen und zugedeckt warm halten. Weich sollen sie sein, aber nicht zerfallen.

    Die Kartoffel ist beim Raclette nicht die glamouröseste Zutat, aber sie hält den ganzen Laden zusammen. Ohne sie wäre das Ganze bloss eine Käseparty mit Stromanschluss.

    3. Die Beilagen

    • 1 Glas Cornichons
    • 1 Glas Silberzwiebeln
    • 2–3 rote und gelbe Peperoni
    • 300–400 g Champignons
    • 1 Dose Mais
    • 250 g Cherrytomaten
    • 200 g gekochter Schinken
    • 200 g Rohschinken oder Salami
    • 150–200 g Speckwürfel
    • 1 kleines Glas Oliven
    • 1 kleine Dose Ananasstücke (für Mutige)

    Gemüse waschen und in mundgerechte Stücke schneiden, Champignons je nach Grösse halbieren oder in Scheiben schneiden. Schinken und Salami auf einer Platte anrichten, Mais und eingelegte Beilagen in kleinen Schälchen servieren. Alles kann direkt im Pfännchen mit dem Käse überbacken werden. Rohes Fleisch wie Speckwürfel muss dabei vollständig durchgaren. Praktischer sind deshalb bereits gegarte Fleischbeilagen.

    Bei der Ananas scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen lieben sie, die anderen halten sie für einen Angriff auf die Schweizer Tradition. Am besten einfach hinstellen und die Gäste entscheiden lassen. Schliesslich soll gefeiert und nicht wegen einer Ananasscheibe die Freundschaft gekündigt werden.

    4. Saucen, Gewürze und kleine Extras

    • Knoblauch- oder Kräutersauce
    • Cocktailsauce
    • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
    • Paprikapulver
    • Raclettegewürz
    • frische Kräuter
    • Baguette oder Bauernbrot, nach Belieben

    Saucen in kleinen Schalen servieren, Gewürze griffbereit aufstellen. Wer mag, bietet auch frischen Knoblauch, Chili oder getrocknete Kräuter an.

    5. So wird der Abend ein Erfolg
    Den Tisch vorbereiten, bevor die Gäste kommen, und alle Beilagen in kleinen Schüsseln anrichten. Die Kartoffeln rechtzeitig kochen und warm halten. Den Racletteofen nach Herstellerangaben aufstellen und vorheizen. Und dann: Pfännchen frei!

    Küchenfee-Tipp: Lieber verschiedene Zutaten in kleinen Mengen hinstellen und bei Bedarf nachfüllen. So bleibt alles frisch, und der Tisch sieht nicht schon nach der zweiten Runde aus wie nach einem kulinarischen Erdbeben. Und niemand muss sich beeilen. Beim Raclette ist das Essen der Anlass, das Zusammensitzen der eigentliche Genuss.

    En Guete und einen gemütlichen Abend! Möge der Käse reichlich schmelzen, die Gesellschaft fröhlich bleiben und der Käsevorrat niemals vorzeitig zur Neige gehen.

  • Fondue Chinoise: Wenn an Silvester das Fleisch baden geht!

    Fondue Chinoise: Wenn an Silvester das Fleisch baden geht!

    Silvester ist der Abend, an dem Familie und Freunde zusammenkommen, das alte Jahr verabschieden und das neue mit guten Wünschen und einem ordentlich gefüllten Magen begrüssen. Draussen knallen die ersten Raketen, drinnen brodelt der Topf auf dem Tisch. Und was kommt hinein? Natürlich Fondue Chinoise! Wenn schon das alte Jahr zu Ende geht, darf wenigstens das Fleisch noch einmal ordentlich ins Schwitzen kommen.

    Fondue Chinoise ist das perfekte Essen für alle, die gerne gemütlich zusammensitzen, schwatzen, lachen und essen, ohne dass jemand stundenlang in der Küche verschwindet. Na ja, ganz ohne Arbeit geht es natürlich nicht. Einer schneidet das Fleisch, jemand rührt die Saucen an, ein anderer setzt die Bouillon auf, und irgendwer wird garantiert gefragt, warum die Gabeln noch nicht auf dem Tisch liegen. Die Arbeitsteilung ist also wie immer in der Familie: Alle helfen mit, manche besonders tatkräftig beim Probieren.

    Dann steht er endlich da, der dampfende Topf mit der würzigen Bouillon, und rundherum versammelt sich die hungrige Gesellschaft. Auf den Platten liegen hauchdünne Fleischscheiben, daneben türmen sich Schälchen mit Saucen, Salaten, Cornichons und Silberzwiebeln. Schliesslich weiss man nie, ob Tante Frieda heute lieber Rind mag, Onkel Hans nur Poulet isst oder jemand beim Apéro verkündet, er esse seit Neuestem eigentlich kein Fleisch mehr. Bis die erste Scheibe im Topf landet, hat jeder seine persönliche Strategie entwickelt.

    Und dann beginnt das grosse Baden! Fleisch auf die Gabel, Gabel in die Bouillon und jetzt: Geduld. Wer sein Fleisch nur kurz eintaucht und hofft, die Naturgesetze würden den Rest schon erledigen, darf sich über das Ergebnis nicht wundern. Fondue Chinoise ist kein Wettrennen. Auch wenn gewisse Familienmitglieder ihre Gabel bewachen, als hinge ihr persönliches Glück davon ab.

    Am Tisch zeigen sich schnell die bekannten Charaktere. Der Geniesser gart jedes Stück mit Hingabe und lässt sich Zeit. Der Schnellesser hat schon die nächste Portion im Topf, bevor die erste auf dem Teller liegt. Der Saucenliebhaber lässt sein Fleisch unter so viel Knoblauchsauce verschwinden, dass niemand mehr sagen kann, ob darunter Rind, Schwein oder ein Stück Tischdecke steckt. Und dann ist da noch der stille Beobachter, der genau mitzählt, wie viele Stücke die anderen schon gegessen haben. Nicht aus Neid, natürlich. Rein für die Statistik.

    Die Saucen sind ohnehin eine Wissenschaft für sich. Knoblauch, Cocktail, Curry, Tartare: Jede Familie hat ihre Favoriten und jede Gastgeberin ihr streng gehütetes Geheimrezept. Und wehe, jemand verwechselt die Löffel! Dann landet die Knoblauchsauce in der Cocktailsauce, und die nächste Familiendiskussion ist eröffnet. Dabei wollte man doch nur in Ruhe essen.

    Ein Klassiker des Abends ist die Frage: «Wer hat mein Fleisch genommen?» Kaum ist eine Gabel kurz unbeaufsichtigt, wird sie schon misstrauisch beäugt. Gehört dieses Stück Rind wirklich mir, oder hat sich da jemand bedient? Beim Fondue Chinoise lernt man schnell: Vertrauen ist gut, eine farbige Gabel ist besser. Am Silvesterabend hört die Freundschaft zwar nicht beim letzten Stück Fleisch auf, aber sie wird kurz auf eine harte Probe gestellt.

    Das Schönste ist, dass niemand nach zehn Minuten fertig sein muss. Der Topf steht in der Mitte, das Fleisch gart nach und nach, und dazwischen bleibt Zeit für Geschichten. Alte Familienanekdoten werden hervorgeholt, die Höhepunkte des Jahres noch einmal kräftig ausgeschmückt und die Pannen vorsichtshalber unter den Tisch gekehrt. Oder, noch besser, ein letztes Mal herzhaft belacht, bevor sie mit dem alten Jahr verschwinden dürfen.

    Irgendwann meldet sich der Magen mit einer deutlichen Mitteilung: «Vielen Dank, ich bin für heute ausgebucht!» Doch Silvester wäre nicht Silvester, wenn nicht trotzdem noch ein Mousse au Chocolat, ein Glacé oder ein Stück Torte Platz fände. Der menschliche Magen ist eben ein faszinierendes Organ. Für Gemüse ist irgendwann Schluss, für Schokolade gibt es offenbar eine separate Abteilung.

    Gegen Mitternacht werden die Gläser gefüllt, die letzten Fleischstücke gebadet und die guten Wünsche bereitgelegt. Man blickt zurück auf zwölf Monate, freut sich auf das, was kommt, und ist dankbar für die Menschen am Tisch. Und wenn draussen das neue Jahr begrüsst wird, weiss man: Das alte ist würdig verabschiedet worden. Zumindest kulinarisch.

    Und falls am Neujahrsmorgen jemand verkündet, er wolle ab sofort weniger essen, mehr Sport treiben und überhaupt vernünftiger leben, darf man freundlich lächeln. Die Vorsätze sind frisch, der Magen ist noch voll, und im Kühlschrank wartet hoffentlich noch die Bouillon von gestern. Man muss ja nicht alles auf einmal ändern. Erst einmal einen Kaffee, und dann sehen wir weiter!

    Rezept: Fondue Chinoise für 6 Personen

    Ein festliches Essen, bei dem Fleisch, Bouillon, Saucen und Beilagen für einen langen, gemütlichen Abend sorgen.

    Fleisch und Bouillon

    • 600–800 g Rindfleisch, zum Beispiel Huft oder Filet
    • 400–500 g Pouletbrust
    • 300–400 g Schweinsfilet, nach Belieben
    • 2–2,5 l kräftige Fleisch- oder Gemüsebouillon
    • 1 Zwiebel
    • 1–2 Knoblauchzehen
    • 1 Lorbeerblatt
    • einige Pfefferkörner
    • nach Belieben etwas Thymian oder Rosmarin

    Als Richtwert rechnet man mit 200–250 g Fleisch pro Person. Bei hungrigen Gästen oder wenigen Beilagen darf es auch mehr sein. Lieber eine Reserve im Kühlschrank, als am Silvesterabend in einen leeren Topf und in hungrige Verwandtengesichter zu schauen.

    1. Das Fleisch wird in Form gebracht.
    Das Fleisch gut gekühlt in sehr dünne Scheiben schneiden oder gleich beim Metzger für Fondue Chinoise vorbereiten lassen. Die Sorten getrennt auf Platten anrichten und bis zum Essen kühl stellen. Für rohes Poulet eigene Platten und Utensilien verwenden. Das Fleisch erst kurz vor dem Essen aus dem Kühlschrank nehmen und nicht lange ungekühlt auf dem Tisch stehen lassen.

    2. Die Bouillon bekommt Geschmack.
    Die Bouillon erhitzen, Zwiebel, Knoblauch, Lorbeer, Pfefferkörner und Kräuter dazugeben und einige Minuten köcheln lassen. Dann in den Fondue-Chinoise-Topf giessen und auf dem Rechaud heiss halten. Sie muss während des ganzen Essens heiss genug bleiben, damit die dünnen Scheiben zuverlässig garen.

    3. Jetzt wird gebadet!
    Jeder spiesst eine Fleischscheibe auf seine Gabel und gart sie in der Bouillon. Wie lange, hängt von Sorte und Dicke ab. Poulet muss vollständig durchgegart sein. Im Zweifel lieber etwas länger baden lassen.

    Und bitte nicht alle sechs Gabeln gleichzeitig in den Topf stossen, als ginge es um die letzte Portion. Die Bouillon braucht Platz, und das Fleisch soll garen und nicht im kulinarischen Verkehrsstau stecken.

    Die Saucen: Ohne sie wäre das Leben nur halb so schön

    Knoblauchsauce

    • 200 g Mayonnaise
    • 150 g Naturjoghurt
    • 1–2 Knoblauchzehen
    • 1 EL Zitronensaft
    • Salz und Pfeffer
    • etwas Schnittlauch oder Petersilie

    Knoblauch fein pressen und mit Mayonnaise, Joghurt und Zitronensaft verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, die gehackten Kräuter unterheben und kühl stellen. Diese Sauce ist für alle, für die Knoblauch keine Zutat ist, sondern eine Lebenseinstellung.

    Cocktailsauce

    • 200 g Mayonnaise
    • 2 EL Ketchup
    • 1 TL Zitronensaft
    • 1 TL mildes Paprikapulver
    • nach Belieben etwas Meerrettich oder Worcestersauce

    Alles gut verrühren und abschmecken. Wer es würziger mag, gibt etwas Meerrettich dazu. Cremig, leicht süsslich, unkompliziert. Die Sauce für Rind und Poulet und für alle, die keine Experimente mögen.

    Currysauce

    • 200 g Mayonnaise
    • 100 g Naturjoghurt
    • 1–2 TL Currypulver
    • 1 TL Zitronensaft
    • Salz und Pfeffer
    • nach Belieben etwas Mango-Chutney

    Alles verrühren und mit Curry, Salz und Pfeffer abschmecken. Mango-Chutney gibt eine fruchtige Note. Die Currysauce bringt Farbe auf den Tisch und schenkt selbst der schlichtesten Fleischscheibe einen Hauch Fernreise, ganz ohne Kofferpacken.

    Die Beilagen: Damit auch die Kartoffel zu ihrem Recht kommt

    • 1,5 kg kleine Kartoffeln oder Salzkartoffeln
    • 1–2 Gläser Cornichons
    • 1 Glas Silberzwiebeln
    • gemischter grüner Salat
    • Rüebli- oder Maissalat
    • frisches Baguette oder Bauernbrot
    • nach Belieben weiteres eingelegtes Gemüse

    Die Kartoffeln rechtzeitig kochen und warm halten, Salate und kalte Beilagen vorbereiten, bevor die Gäste kommen. So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: gemütliches Zusammensitzen, gutes Essen und die Frage, wer schon wieder die letzte Silberzwiebel erwischt hat.

    Küchenfee-Tipp: Die Bouillon nicht wegschütten!
    Zum Schluss ist die Bouillon besonders aromatisch. Durch ein Sieb giessen und als kräftige Suppe servieren, für alle, die nach dem ganzen Fleisch tatsächlich noch einen Löffel schaffen. Reste rasch abkühlen, im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Essen nochmals gut aufkochen. Und für alle anderen gilt: Keine Sorge, die Bouillon läuft nicht davon.

    En Guete und en guete Rutsch! Möge das Fleisch zart sein, die Bouillon würzig, die Saucen reichlich und die Gesellschaft so fröhlich, dass man noch lange an diesen Abend denkt.

  • Osterbrunch: Wenn der Osterhase den Kühlschrank plündert!

    Osterbrunch: Wenn der Osterhase den Kühlschrank plündert!

    Ostern ist die perfekte Gelegenheit, Familie und Freunde an einen Tisch zu holen und ausgiebig zu schlemmen. Draussen strecken die ersten Frühlingsblumen ihre Köpfe aus der Erde, der Osterhase versteckt angeblich fleissig Eier, und drinnen wird ein Tisch gedeckt, als hätten sich eine Bäckerei, eine Metzgerei und eine Confiserie zu einer Fusion entschlossen. Denn an Ostern wird nicht einfach gefrühstückt. An Ostern wird gebruncht! Mit allem, was das Herz begehrt und der Hosenbund gerade noch verkraftet.

    Der Brunch ist ohnehin eine herrliche Erfindung. Man muss nicht früh aufstehen wie fürs Frühstück und nicht bis zum Mittag warten, bis endlich etwas Vernünftiges auf den Tisch kommt. Man darf sich gemütlich aus dem Bett rollen, die Haare in eine halbwegs gesellschaftsfähige Form bringen und sich an den gedeckten Tisch setzen. Fragt jemand, ob man schon gefrühstückt habe, lautet die Antwort selbstverständlich: «Nein, ich spare mir den Appetit für den Brunch auf!» Man will schliesslich vorbereitet sein, wenn die kulinarische Osterlawine ins Rollen kommt.

    Im Mittelpunkt thront der Zopf. Goldbraun, weich und herrlich duftend liegt er da und wartet darauf, dass ihm jemand mit dem Messer zu Leibe rückt. Am liebsten noch leicht warm, mit knuspriger Kruste und einem weichen Innern, das förmlich nach Butter schreit. Ein Stück Zopf mit Butter und Konfitüre, und die Welt sieht gleich viel freundlicher aus. Wer jetzt noch behauptet, er brauche am Morgen nichts Süsses, hat einfach noch nicht richtig hingeschaut.

    Daneben leuchten die Ostereier in allen Farben. Manche sind so kunstvoll bemalt, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekommt, sie zu essen. Fast! Spätestens wenn der Hunger zuschlägt, ist es mit der Kunstbewunderung vorbei. Dann wird getütscht. Und beim Eiertütschen herrscht eine klare Rangordnung: Wer das stärkste Ei hat, fühlt sich für einen Moment wie der unbesiegbare Champion der Familie. Wer mit zerbrochener Schale dasitzt, muss sich Sprüche anhören, als hätte er gerade die Weltmeisterschaft im Eierknacken verloren. Und verlangt natürlich sofort eine Revanche.

    Auf dem Tisch türmen sich Käse und Aufschnitt, vom milden Emmentaler über würzigen Bergkäse bis zum cremigen Brie, dazu Schinken, Salami und Trockenfleisch. Jeder darf zugreifen, wie es ihm beliebt. Allerdings gibt es in jeder Familie mindestens eine Person, die das schönste Stück Schinken entdeckt, es mit gezieltem Griff an sich nimmt und dabei so unschuldig schaut, als hätte sie bloss die Tischdekoration zurechtgerückt.

    Und dann die süsse Abteilung! Gipfeli, Osterküchlein, Hefeschnecken, kleine Törtchen und vielleicht sogar ein Rüeblikuchen. Man könnte meinen, der Osterhase hätte nicht nur Eier versteckt, sondern gleich noch die Konditorei überfallen. Dabei hatte man vorher fest behauptet, man wolle heute nicht so viel essen. Ein Vorsatz, der ungefähr so lange hält, bis das erste Gipfeli in Reichweite liegt.

    Das Schönste an einem Osterbrunch: Niemand steht unter Zeitdruck. Man sitzt zusammen, trinkt Kaffee, erzählt Geschichten und holt sich immer wieder ein kleines Häppchen. Wobei «klein» ein sehr dehnbarer Begriff ist. Ein Stück Zopf hier, etwas Käse dort, ein Ei zur Sicherheit und noch ein Gipfeli, damit das Süsse nicht zu kurz kommt. Wer das alles hübsch auf dem Teller anordnet, kann sich wenigstens einreden, er habe noch alles im Griff.

    Während die Erwachsenen über das Wetter, die Ferien und die neuesten Familiengeschichten plaudern, sind die Kinder auf Eiersuche. Die Eier sind natürlich immer genau dort versteckt, wo man sie am wenigsten vermutet: hinter einem Blumentopf, unter einer Bank oder an einem Ort, an dem sich kein erwachsener Mensch freiwillig bücken würde. Sind alle gefunden, beginnt die nächste Phase: Verhandeln, Tauschen, Diskutieren. Zwei rote gegen ein Schoggihasenohr? An Ostern lernt man früh, dass Verhandlungsgeschick im Leben mindestens so wichtig ist wie ein guter Appetit.

    Ein Osterbrunch zeigt, dass es kein aufwendiges Festmenü braucht, um schöne Stunden miteinander zu verbringen. Der Zopf darf gekauft oder selbst gebacken sein, der Aufschnitt kommt hübsch auf eine Platte, und der Käse braucht keinen kulinarischen Adelstitel, um gut zu schmecken.

    Und wenn der Tisch am Ende aussieht, als hätte eine hungrige Hasenfamilie darauf eine wilde Party gefeiert, ist das kein Grund zur Sorge. Es heisst nur, dass es allen geschmeckt hat. Die Krümel erzählen ihre eigene Geschichte, und die letzten Schokoladeneier verschwinden verdächtig schnell in den Jackentaschen der jüngsten Gäste. Natürlich nur zur Aufbewahrung. Für später. Ganz bestimmt!

    Sämtliche Diätpläne werden an Ostern kurzerhand in die Ferien geschickt. Schliesslich kommt der Frühling nur einmal im Jahr, und ein Osterbrunch erst recht! Und sollte nach dem letzten Kaffee jemand fragen, ob es später noch etwas zu essen gibt, darf man mit einem frechen Lächeln antworten: «Natürlich! Es ist Ostern. Der Hase hat bestimmt noch irgendwo etwas versteckt!»

    Rezept: Der perfekte Osterbrunch für 6 Personen

    Mit Zopf, Eiern, Käse, Aufschnitt und süssem Gebäck. Die Mengen lassen sich nach Appetit und Grösse der Gästeschar anpassen.

    Für den Brunchtisch

    • 1 grosser Butterzopf, ca. 500–700 g
    • 8–10 Eier zum Kochen und Färben (plus ein paar Reserve-Eier für die Revanche)
    • 300–400 g Käse, zum Beispiel Emmentaler, Gruyère und Brie
    • 300–400 g Aufschnitt, zum Beispiel Schinken, Salami und Trockenfleisch
    • 1 Mödeli Butter
    • 2–3 Sorten Konfitüre oder Honig
    • 6 Gipfeli oder kleine süsse Brötchen
    • 6 Osterküchlein oder anderes süsses Gebäck
    • 1 Schale frische Beeren oder Trauben
    • 1–2 Gurken und einige Cherrytomaten
    • Kaffee, Tee, Milch und Orangensaft

    1. Der Zopf: das Herzstück des Brunchs
    Den Zopf frisch kaufen oder selbst backen. Für einen hausgemachten Zopf Mehl, Milch, Hefe, Butter, Salz und etwas Zucker zu einem geschmeidigen Hefeteig kneten. Aufgehen lassen, zu Strängen formen, flechten, nochmals gehen lassen und mit Eigelb bestreichen. Bei etwa 180 °C Ober-/Unterhitze goldbraun backen. Ein grosser Zopf braucht ungefähr 30–40 Minuten.

    Am besten schmeckt er frisch mit Butter und Konfitüre. Und bitte nicht zu dünn schneiden, wir sind hier beim Osterbrunch und nicht bei der Diätberatung!

    2. Die Ostereier: bunt, lecker und mit sportlichem Ehrgeiz
    Die Eier je nach Grösse 9–10 Minuten hart kochen, abschrecken und auskühlen lassen. Wer mag, färbt sie mit Eierfarben oder natürlichen Farbstoffen wie Zwiebelschalen. Auf einer Platte angerichtet, bringen sie Farbe und Tradition auf den Tisch.

    Wer ans Eiertütschen denkt, legt ein paar Eier mehr bereit. Es gibt immer jemanden, der eine Revanche verlangt, weil das eigene Ei angeblich nur wegen ungünstiger Ausgangslage verloren hat.

    3. Käse und Aufschnitt: die herzhafte Abteilung
    Den Käse in Scheiben oder mundgerechte Stücke schneiden und auf einer grossen Platte anrichten: milder Käse für die einen, kräftiger Bergkäse für die anderen und ein cremiger Weichkäse für alle, die es besonders fein mögen. Schinken, Salami und Trockenfleisch locker gefaltet oder gerollt auf eine zweite Platte legen. Gurken, Cherrytomaten und Trauben bringen Farbe und Frische dazu.

    4. Das süsse Gebäck: für die angeblich kleine Nachspeise
    Gipfeli, Osterküchlein, Hefeschnecken oder Rüeblikuchen auf einer eigenen Platte anrichten. Wer selbst backen möchte, macht kleine Rüebliküchlein mit gemahlenen Haselnüssen oder Mandeln und einer dünnen Glasur. Das Auge isst schliesslich mit. Bei der dritten Portion allerdings nicht mehr ganz so wählerisch.

    5. Tisch decken und geniessen
    Alles auf dem Tisch verteilen, Butter und Konfitüre bereitstellen, Kaffee, Tee und Saft servieren. Käse und Aufschnitt bis kurz vor dem Servieren im Kühlschrank lassen und nicht stundenlang ungekühlt auf dem Tisch stehen lassen.

    Dann heisst es: hinsetzen, zugreifen, plaudern, geniessen. Niemand muss sich beeilen, niemand muss den Teller leer essen. Und wer nach dem Herzhaften noch Platz für ein Osterküchlein findet, hat offensichtlich eine sehr gut organisierte Dessertabteilung.

    En Guete und frohe Ostern! Möge der Zopf luftig sein, der Käse würzig, der Aufschnitt reichlich und das Gebäck unwiderstehlich. Und bleibt am Schluss etwas übrig, ist das kein Problem. Der Osterhase freut sich bestimmt über eine kleine Wegzehrung!

  • Filet im Teig: Wenn gefeiert wurde, kam das Schwein in den Schlafsack!

    Filet im Teig: Wenn gefeiert wurde, kam das Schwein in den Schlafsack!

    In einer grossen Familie gibt es immer etwas zu feiern. Geburtstag, Jubiläum, bestandene Prüfung oder einfach die Tatsache, dass alle gleichzeitig am selben Tisch sitzen. Und wenn schon gefeiert wurde, dann bitte richtig! Man konnte schliesslich nicht jeden Tag auf den Putz hauen. Aber wenn es so weit war, durfte auch das Essen zeigen, was es draufhatte. Dann kam er auf den Tisch, der Festtagsschmaus schlechthin: Filet im Teig!

    Ein feines Schweinsfilet, saftig und würzig gefüllt, sorgfältig in Blätterteig eingepackt und im Ofen goldbraun gebacken. Aussen knusprig, innen zart, ein richtiges Päckli voller Glück. Andere ziehen für ein Fest ihre besten Kleider an. Unser Schweinsfilet bekam gleich einen ganzen Mantel verpasst und durfte sich in seinem Blätterteig-Schlafsack in aller Ruhe auf den grossen Auftritt vorbereiten. Man gönnt sich ja sonst nichts!

    Mit einem gewöhnlichen Dienstagabend hatte dieses Gericht nichts zu tun. Filet im Teig war Chefsache. Schon wenn der Duft aus dem Backofen zog, wusste man: Heute wird nicht gekleckert, heute wird gefeiert! Und wehe, jemand wagte es, vorher in der Küche herumzuschnabulieren. Das gute Stück musste erst einmal heil auf den Tisch kommen. Bei neugierigen Familienmitgliedern war das schon die erste Herausforderung des Abends.

    Und dann lag es da, goldbraun glänzend, als wollte es sagen: «So, jetzt schaut mich gefälligst alle an!» Und alle schauten. Selbst der Salat wusste, dass er heute nur eine Nebenrolle spielte. Er durfte der guten Ordnung halber mitessen, aber niemand musste so tun, als sei er der Star des Abends.

    Doch zuerst kam die schwierigste Disziplin jedes Festessens: das Warten. Das Filet musste nach dem Backen ruhen. Kulinarisch durchaus sinnvoll. Aber erklär das einmal jemandem, der den ganzen Nachmittag den Duft in der Nase hatte und mit knurrendem Magen am Tisch sitzt. Da wurden zehn Minuten länger als eine Generalversammlung ohne Traktandenliste.

    Beim ersten Schnitt stieg die Spannung. War die Füllung schön verteilt? Hatte es noch genug Sauce? Und vor allem: Wer erwischte das grösste Stück? Familiäre Harmonie wurde bei uns grossgeschrieben, beim Filet im Teig herrschte trotzdem ein gesunder Wettbewerb. Liebe geht eben durch den Magen. Und Ellbogen manchmal auch.

    Blieb am Schluss ein Stück übrig, war das kein Problem, sondern eine strategische Reserve für den nächsten Tag. Sofern sich jemand schnell genug darum kümmerte. Meistens war das nicht die Köchin.

    Filet im Teig brauchte weder Molekularküche noch Schäumchen oder einen Koch, der mit der Pinzette anrichtet. Ein gutes Stück Fleisch, eine feine Füllung und knuspriger Blätterteig reichten völlig, um die ganze Familie glücklich zu machen. Und seien wir ehrlich: Nicht alle Tage bekommt ein Schwein im Teigmantel mehr Applaus als das Geburtstagskind.

    Rezept: Filet im Teig, der Festtagsschmaus für die ganze Familie

    Gefülltes Schweinsfilet im knusprigen Blätterteig für Geburtstage, Jubiläen und alle Gelegenheiten, bei denen das Essen ruhig etwas Eindruck machen darf.

    Zutaten für 4–6 Personen

    Für das Filet im Teig

    • 1 Schweinsfilet, ca. 600–800 g
    • 1 rechteckig ausgewallter Blätterteig, ca. 320–400 g
    • 1 EL Öl oder Bratbutter
    • Salz und frisch gemahlener Pfeffer
    • 1 Ei zum Bestreichen

    Für die Füllung

    • 150 g Champignons
    • 1 kleine Zwiebel oder Schalotte
    • 100–150 g Frischkäse oder Doppelrahmfrischkäse
    • 1 EL Butter
    • 1 EL gehackte Petersilie
    • Salz, Pfeffer und etwas Thymian

    Nach Belieben

    • 4–6 Tranchen Bratspeck oder Rohschinken
    • 1 TL Senf
    • etwas Paniermehl, falls die Füllung zu feucht ist

    Zubereitung

    1. Das Filet bekommt Farbe.
    Das Filet von Sehnen befreien, trocken tupfen und mit Salz und Pfeffer würzen. Öl oder Bratbutter in einer Bratpfanne erhitzen und das Filet rundherum kurz und kräftig anbraten. Herausnehmen und abkühlen lassen. Durchgaren muss es noch nicht, es soll nur schöne Röstaromen bekommen. Den Rest erledigt später der Ofen.

    2. Die Füllung wird vorbereitet.
    Champignons und Zwiebel fein hacken. Die Butter erhitzen und die Zwiebel darin glasig dünsten. Champignons dazugeben und braten, bis die Flüssigkeit fast ganz verdampft ist. Mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen, die Petersilie dazugeben und auskühlen lassen. Dann den Frischkäse unterrühren. Die Füllung soll streichfähig sein, aber nicht wässrig. Ist sie zu feucht, etwas Paniermehl beigeben. Blätterteig mag vieles, aber eine Schwimmstunde in Pilzwasser gehört definitiv nicht dazu.

    3. Das Filet wird gefüllt und eingepackt.
    Den Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Das abgekühlte Filet der Länge nach einschneiden, ohne es ganz durchzuschneiden, und aufklappen. Wer mag, bestreicht die Schnittfläche mit Senf. Die Füllung gleichmässig darauf verteilen und das Filet wieder zuklappen. Wer es besonders herzhaft mag, wickelt Bratspeck oder Rohschinken darum. Das gibt Geschmack und hält die Füllung zusammen.

    Den Blätterteig auf dem Backpapier ausrollen, das Filet darauflegen und vollständig einwickeln. Die Ränder gut verschliessen und das Päckli mit der Naht nach unten drehen. Aus den Teigresten Streifen oder kleine Verzierungen formen. Schliesslich soll das Festessen nicht aussehen, als hätte es sich auf der Flucht in die Teigrolle gestürzt.

    4. Ab in den Ofen mit dem Prachtstück.
    Das Ei verquirlen und den Teig damit bestreichen. Das Filet samt Backpapier auf ein Blech ziehen und im vorgeheizten Ofen 25–35 Minuten backen, je nach Dicke des Filets. Am zuverlässigsten ist ein Fleischthermometer. Schweizer Fleisch empfiehlt für Schweinsfilet im Teig eine Kerntemperatur von 63 °C. Das Filet kann bei etwa 57 °C aus dem Ofen, beim Ruhen steigt die Temperatur noch nach. Wird der Teig zu schnell dunkel, locker mit Alufolie abdecken.

    5. Jetzt heisst es: Geduld statt Gabelattacke.
    Das Filet nach dem Backen 5–10 Minuten ruhen lassen. Dann mit einem scharfen Messer in schöne Scheiben schneiden. So bleibt das Fleisch saftig, und die Füllung bleibt, wo sie hingehört, statt als heisse Überraschung über das Schneidebrett zu laufen.

    6. Servieren und feiern.
    Dazu passen Kartoffelgratin, Kartoffelstock, Kroketten oder feine Nudeln. Als Gemüse eignen sich grüne Bohnen, Rüebli oder was die Saison gerade hergibt. Eine kräftige Bratensauce oder eine Pilzrahmsauce macht das Fest komplett.

    Und dann wird endlich geschlemmt! Spätestens beim zweiten Stück hat die ganze Familie vergessen, wer eigentlich mit dem Abwasch dran ist. Was natürlich der eigentliche Trick an diesem Rezept ist.

    En Guete, und auf viele weitere Familienfeste mit einem Schweinsfilet im Festtagsmantel!

  • Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist das knusprigste Schnitzel im ganzen Land?

    Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist das knusprigste Schnitzel im ganzen Land?

    Es war einmal ein Schnitzel. Na gut, es waren Hunderte. Und jedes einzelne war felsenfest überzeugt, das Beste zu sein, was je eine Pfanne von innen gesehen hat. Bescheidenheit? Wird im Schnitzelland nicht paniert.

    Denn es herrschte Ausnahmezustand: Die Wahl zur Miss und zum Mister Schnitzel stand bevor. Ein Ereignis, bei dem selbst gestandene Panaden nervös zu krümeln begannen.

    «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist das köstlichste Schnitzel im ganzen Land?», säuselte das Wiener Schnitzel und betrachtete verliebt seine goldgelbe Kruste. Es trug seine Tradition wie eine Königskrone und fand, über Geschmack müsse man nicht diskutieren. Schon gar nicht über seinen.

    «Natürlich ich!», beantwortete es die Frage gleich selbst. «Ich bin schliesslich das Original!»

    «Original?», schnaubte das Schweineschnitzel. «Du bist berühmt, mein Lieber, mehr nicht. Ohne mich gäbe es in jeder zweiten Beiz am Mittag nur Salat.»

    Das Kalbsschnitzel lächelte dünn. Es hielt sich für die Haute Couture der Schnitzelwelt: zart, fein, von geradezu aristokratischer Herkunft. «Darf ich daran erinnern», sagte es, «dass das Wiener Schnitzel eigentlich ich bin? Nur mit mehr Paniermehl und weniger Demut.»

    Autsch.

    Das Hühnerschnitzel verdrehte die Augen. Es war der unkomplizierte Typ: vielseitig, beliebt, für jeden Spass zu haben und der heimliche Liebling aller Diät-Vorsätze, die bis Dienstag halten. «Leute, wir sind zum Geniessen hier, nicht an der Generalversammlung des Paniermehl-Verbands!»

    Da wusste es noch nicht, wer gleich alles auflaufen würde.

    Die Gemüse-Gang schlägt zurück

    Mit einem dramatischen Hüftschwung betrat das Sellerieschnitzel die Bühne.

    «Platz da, ihr Fleischklopse! Jetzt kommt die pflanzliche Konkurrenz!»

    Hinter ihm schritt die Aubergine heran, mediterran gebräunt, mit der Attitüde einer Diva, die eben den Koch-Oscar abgeholt hat und ihn jetzt als Briefbeschwerer benutzt. «Wir beweisen euch, dass man auch ohne vier Beine eine knusprige Persönlichkeit entwickeln kann.»

    «Na, wenn ihr meint», murmelte das Wiener Schnitzel.

    «Wir meinen nicht nur. Wir schmecken auch!», konterte der Sellerie.

    Das Schweineschnitzel beugte sich zum Kalb hinüber: «Sellerie. Als Hauptgang. Früher war der froh, wenn er in die Suppe durfte.»

    Aus dem Schönheitswettbewerb wurde eine Grundsatzdebatte: Fleisch gegen Gemüse, Tradition gegen Experiment, Grossmutters Teller gegen Instagram-Teller.

    Der Spiegel seufzte. Es war noch nicht einmal Mittag.

    Panade sucht Persönlichkeit

    Dann begann die Modenschau der Panaden. Und die hatte es in sich.

    Die klassische Panade stolzierte in zeitlosem Gold über den Laufsteg, die Grande Dame des knusprigen Auftritts. «Stil», sagte sie, «ist eben zeitlos.»

    Da zischte die scharfe Panade an ihr vorbei, Chili im Gepäck, Pfeffer im Blick. «Zeitlos? Oder einfach nur beige?», rief sie. «Bei mir wird nicht gefackelt, bei mir wird geschwitzt!»

    Die süsse Panade lächelte unschuldig. Sie trug ihre Raffinesse wie ein Geheimnis und wusste genau: Ein Hauch Süsse, und selbst hartgesottene Schnitzelpuristen werden weich wie Butter. In der Pfanne.

    Dann kamen die Nüsse. Haselnuss, Mandel und Konsorten marschierten auf, als gehörte ihnen der Laufsteg samt Catering.

    «Wir verleihen jedem Schnitzel Klasse», erklärte die Haselnuss.

    «Und Biss!», ergänzte die Mandel.

    Der Sesam verdrehte die Augen. «Typisch. Immer diese Nuss-Eitelkeiten. Ein paar Körnchen von mir, und das Ding knuspert auf einem völlig anderen Niveau. Ohne dass man für die Zutaten gleich eine Hypothek aufnehmen muss.»

    Hinterher trippelten Kräuter, Mini-Gemüsewürfelchen und allerlei kleine Knusper-Künstler. Manche waren würzig, manche raffiniert, manche so extravagant, dass ein Pariser Modeschöpfer vor Neid seine Schürze gefressen hätte. Paniert, versteht sich.

    Ob das noch Schnitzel war oder schon Haute Cuisine mit Knusper-Syndrom, war allen egal. Hauptsache, es krachte beim Reinbeissen.

    Cordon bleu – die Doppeldecker mit Innenleben

    Plötzlich wurde es dunkel im Saal. Nebel. Trommelwirbel. Und herein rollte der Star der Doppeldecker-Fraktion: das Cordon bleu.

    Zwei Schnitzellagen, dazwischen Schinken und Käse. Aussen knusprig, innen ein Schmelz, der selbst dem griesgrämigsten Kritiker ein Seufzen entlockt.

    «Meine Damen und Herren», verkündete es, «während ihr noch über euer Äusseres streitet, überzeuge ich längst mit inneren Werten.»

    Das sass.

    Doch auch das Cordon bleu bekam Konkurrenz. Die neue Generation Doppeldecker hatte keine Lust mehr auf Schinken und Käse wie anno dazumal. Sie stopfte sich mit allem voll, was der Kühlschrank hergab: würzige Käsesorten, Kräuter, Gemüse, Füllungen von mild und charmant bis temperamentvoll und aufmüpfig. Manche hatten ein so überraschendes Innenleben, dass man ihnen einen Beipackzettel hätte mitgeben müssen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Metzger.

    «Was ist denn da drin?», fragte das Wiener Schnitzel misstrauisch.

    «Mein Lieber», hauchte ein besonders extravagantes Exemplar, «das nennt man Spannung.»

    Ein anderes zwinkerte verschwörerisch. «Aussen hui, innen pfui? Nicht bei mir. Bei mir ist innen hui, aussen knusprig, und wenn man reinschneidet, läuft einem der Käse bis zum Ellbogen.»

    Das Publikum tobte. Wer braucht schon einen roten Teppich, wenn man zwei Schnitzel übereinanderlegen kann?

    Der Spiegel bekommt die Krise

    Mittlerweile war im Schnitzelland der Teufel los.

    Das Kalbsschnitzel reklamierte wegen unvorteilhafter Beleuchtung. Das Schweineschnitzel verlangte mehr Sendezeit. Das Hühnerschnitzel wollte eine eigene Kategorie für Vielseitigkeit. Der Sellerie forderte eine Gemüsequote, und die Aubergine bestand darauf, dass ihr Hüftschwung in die Wertung einfliesst. Die Nusspanade fühlte sich übergangen, die scharfe Panade wollte eine Feuershow, und das Cordon bleu verlangte, dass künftig alle ihre Füllung offenlegen. Transparenz, bitte schön.

    Da platzte dem Spiegel der Rahmen.

    «RUHE!»

    Stille. Irgendwo bröselte eine Panade.

    «Ich habe Krusten gesehen, die glänzten wie frisch polierte Kronjuwelen. Ich habe Füllungen bestaunt, geheimnisvoller als jedes Bankschliessfach in Zürich. Ich habe scharfe, süsse, nussige und gemüsige Panaden ertragen. Und Kreationen, die nicht einmal ihre eigenen Erfinder erklären können.»

    Bedeutungsvolle Pause.

    «Aber wisst ihr, was ich nicht kann?»

    Alle hielten den Atem an.

    «Schmecken! Ich bin ein Spiegel, verdammt noch mal, kein Restaurantkritiker! Ich habe nicht einmal einen Mund!»

    Betretenes Schweigen.

    «Und … wer entscheidet dann?», fragte das Wiener Schnitzel kleinlaut. Zum ersten Mal an diesem Tag.

    Der Spiegel deutete zur Tür. Dort standen sie: die Menschen. Hungrig, neugierig und mit Messer und Gabel bewaffnet.

    «Die da. Die haben die Macht. Und Ketchup. Möge der Himmel euch gnädig sein.»

    Und wer gewinnt jetzt?

    Die Jury machte sich an die Arbeit. Es wurde geschnitten, gekostet, geknuspert und geschwärmt. Ein Bissen vom Klassiker, ein Stück vom Gemüse-Star, eine Kostprobe mit Nuss, eine mit Sesam, ein feuriger Happen und natürlich ein tiefer Blick ins Innenleben des Cordon bleu.

    Bald flogen die Fetzen. Und die Brösel.

    «Das Wiener ist unschlagbar!»

    «Das Cordon bleu ist der Wahnsinn!»

    «Habt ihr den Sellerie probiert?»

    «Moment, ich muss noch das mit der Nusskruste testen. Und das daneben. Und das dahinter.»

    Am Ende war klar: Eine einzige Schönheitskönigin würde diesem Wettbewerb niemals gerecht. Kalb, Schwein und Huhn hatten ihre Fans, und die Gemüsefraktion hatte eindrücklich bewiesen, dass sie viel mehr ist als blosses Beilagengemüse. Die Panaden sorgten für Glanz, die Doppeldecker für Überraschungen und die Füllungen für so manchen kulinarischen Seitensprung.

    Und der Spiegel? Der lehnte sich zurück, betrachtete die Fettspritzer auf seinem Glas und murmelte: «Hab ich’s doch gewusst. Am Ende wollen sie alle nur eins: noch ein Schnitzel.»

    Die Moral von der Geschicht

    Im Schnitzelland zählt nicht, wer am schönsten glänzt, die längste Ahnenreihe hat oder die grösste Klappe führt. Es zählt, was auf den Teller kommt. Was beim Reinbeissen kracht. Und was dich dazu bringt, trotz offenem Hosenknopf noch einmal nach der Speisekarte zu schielen.

    Ob Kalb, Schwein, Huhn oder Gemüse. Ob klassisch, feurig, süss, mit Nüssen, Sesam oder Gemüsewürfelchen. Ob solo oder als prall gefüllter Doppeldecker.

    Im Schnitzelland gibt es keine Geschmackspolizei. Nur eine goldene Regel: Wer knuspert, hat recht!

    Und falls dich dein Spiegel zu Hause fragt, wer das beste Schnitzel im ganzen Land ist, weisst du jetzt, was zu tun ist.

    Nicht diskutieren. Probieren. Und zwar gründlich.

  • Originalrezept. Ja, natürlich. Und ich war dabei.

    Originalrezept. Ja, natürlich. Und ich war dabei.

    Ach, das Originalrezept. Die einzige Auszeichnung der Welt, die man sich selbst verleihen kann – ohne Jury, ohne Urkunde und ohne lästigen Notar, der bestätigt, dass Urgrossmutter 1873 tatsächlich genau so gekocht hat. Mit exakt 237 Gramm Mehl, versteht sich.

    Das Rezept fürs Originalrezept geht so: Man nehme ein beliebiges Rezept. Man garniere es mit einer rührenden Familiengeschichte, würze kräftig mit Heimatliebe und streue grosszügig das Wort Tradition darüber. Zehn Minuten ziehen lassen. Fertig ist das Original. Applaus, bitte! (Nachsalzen verboten – das wäre ja schon eine Abwandlung.)

    Doch halt: Wer hat eigentlich entschieden, dass ausgerechnet dieses Rezept das Original ist? Wer hat der Köchin damals über die Schulter geschaut? Gab es eine Rezeptpolizei mit Blaulicht und Kochlöffel? Ein internationales Gremium für unverfälschte Hausmannskost, das alle hundert Jahre in Genf tagt? Oder hat einfach irgendwann jemand den Deckel auf den Topf geknallt und verkündet: «So mache ich das. Basta. Original.»

    Die Wahrheit ist: Jeder kann sein Rezept zum Original erklären. Klingt ja auch viel besser als «meine persönliche Version» oder «so hab ich’s mal bei der Nachbarin abgeguckt, aber den Zimt vergessen».

    Richtig unterhaltsam wird es, wenn gleich mehrere Leute dasselbe Gericht für sich beanspruchen. Ich lebe auf Kreta – ich weiss, wovon ich rede. Fragen Sie drei Yiayiades nach dem richtigen Stifado, und Sie bekommen vier Originalrezepte, zwei beleidigte Blicke und eine Familienfehde, die mindestens bis Ostern hält. Nelken: ja oder nein? Ein Glas Rotwein oder zwei (für den Topf, wohlgemerkt)? Wer Tomatenmark nimmt statt frischer Tomaten, wird zwar nicht verhaftet, aber auch nie wieder zum Namenstag eingeladen. Alle anderen Versionen? Fälschungen! Kulinarische Irrtümer! Ein Anschlag auf die Menschheit im Allgemeinen und auf die Grossmutter im Besonderen!

    Dabei waren Rezepte noch nie in Stein gemeisselt – höchstens auf fettfleckige Zettel gekritzelt, die irgendwann im Backofen verschwunden sind. Zutaten wurden ausgetauscht, weil der Laden zu hatte. Mengen verändert, weil plötzlich zwölf Gäste statt vier vor der Tür standen. Was in der einen Familie heiliges Gesetz ist, ist bei der nächsten ein guter Grund, das Nudelholz zu zücken.

    Und dann gibt es die Rezepte mit Stammbaum. «Das kochen wir schon seit sieben Generationen so!» Belege? Fehlanzeige. Aber die Geschichte ist fantastisch. Und mit jeder Wiederholung wird sie ein bisschen älter, ein bisschen geheimnisvoller und selbstverständlich noch originaler. Noch zwei Familienfeste, und das Rezept stammt von Zeus persönlich.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Es gibt sie, die historischen Rezepte, die belegten Traditionen und die sorgsam überlieferten Handgriffe. Davor ziehe ich meine Schürze. Man sollte nur auseinanderhalten können, was eine nachvollziehbare Geschichte ist – und was eine hübsche Behauptung mit Petersilie obendrauf.

    (Und bevor jemand fragt: Ja, in meinem Kochbuch steht auch das eine oder andere «traditionelle» Rezept. Ich habe nachgeschaut. Ehrenwort. Meistens.)

    Mein Fazit?

    Nennen Sie Ihr Rezept ruhig original. Hängen Sie ein vergilbtes Familienfoto daneben, erzählen Sie von der Urgrossmutter und verleihen Sie dem Ganzen einen Hauch kulinarischer Unsterblichkeit.

    Aber erwarten Sie nicht, dass ich deswegen ehrfürchtig in die Knie gehe. Meine Knie sind dafür nicht mehr original genug.

    Denn Originalrezept ist zunächst einmal ein Wort. Kein Gütesiegel, kein Echtheitszertifikat und schon gar keine Garantie, dass es besser schmeckt.

    Und wer weiss: Vielleicht ist das einzig wahre Originalrezept jenes, dessen Erfinderin längst vergessen hat, wie sie es ursprünglich gemacht hat. Deshalb schmeckt es jedes Mal ein bisschen anders. Und jedes Mal original.

  • Geschützt: Alois und Klara – Am Anfang war die Zukunft!

    Geschützt: Alois und Klara – Am Anfang war die Zukunft!

    Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

  • Wer den Kopf in den Sand steckt darf sich nicht wundern, wenn ihm der Hintern rausschaut.

    Wer den Kopf in den Sand steckt darf sich nicht wundern, wenn ihm der Hintern rausschaut.

    Der Vogel Strauss hat einen miserablen Ruf. Dabei steckt er den Kopf gar nicht in den Sand, er schaut nur nach seinen Eiern. Das mit dem Sand haben wir Menschen erfunden. Und perfektioniert.

    Die Methode ist denkbar einfach: Problem taucht auf, Kopf geht runter, Augen zu, fertig. Die Rechnung liegt ungeöffnet auf dem Tisch? Kopf in den Sand. Der Zahnarzt hat zum dritten Mal angerufen? Kopf in den Sand. Die Waage zeigt eine Zahl, die man nicht bestellt hat? Kopf tief in den Sand, am besten gleich bis zu den Schultern. Leider hat die Sache einen Haken: Der Sand ist meistens zu kurz. Oben ist alles schön dunkel und ruhig, aber hinten ragt etwas in die Landschaft, das man lieber nicht ausgestellt hätte. Und das Leben ist kein feiner Gast. Es sieht ein solches Angebot und tritt zu.

    Das Tückische: Die Probleme warten nicht höflich, bis man wieder auftaucht. Sie setzen sich daneben, packen ein Picknick aus und laden Verwandtschaft ein. Aus einer kleinen Rechnung wird eine Mahnung, aus der Mahnung ein Brief mit Stempel, und aus dem Zahnarzt-Termin wird eine Wurzelbehandlung mit Sonderbetreuung.

    Also: Kopf raus, Sand abschütteln, Krone richten. Den Dingen ins Gesicht schauen ist zwar unbequemer, hat aber einen unschlagbaren Vorteil: Man sieht, was kommt. Und man bietet keine Angriffsfläche von hinten.

    Mein Fazit: Sand ist wunderbar, aber bitte nur am Strand, unter den Füssen und mit einem kühlen Getränk in der Hand. Wer den Kopf oben behält, hat den Hintern wenigstens dort, wo er hingehört: sicher auf dem Liegestuhl.

  • Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen

    Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen

    «Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen.» Schöner Spruch. Nur: Was macht man, wenn sie nicht kommen? Ganz einfach: Dann muss man ihnen entgegengehen. Das Leben ist schliesslich kein Lieferservice mit Gratiszustellung und unbegrenzter Geduld. Wer immer nur auf bessere Zeiten wartet, bekommt am Ende höchstens eine Sitzkuhle im Sofa, einen Rücken, der offiziell Beschwerde einreicht, und eine Fernbedienung, die einen inzwischen duzt.

    Also: Schuhe an, Krone richten, losmarschiert! Vielleicht wartet das Glück gar nicht vor der Haustür, sondern drei Strassen weiter: falsch abgebogen, schlecht gelaunt und ohne Navi. Typisch Glück. Kommt zu spät und behauptet hinterher, es habe geklingelt. Wer ihm entgegengeht, kann es wenigstens unterwegs erwischen. Und falls nicht, hat man immerhin Schritte gesammelt und kann behaupten, der Umweg sei Absicht gewesen. Panoramaroute, sozusagen.

    Denn die Dinge kommen nicht alle gleich. Manche kommen von allein. Manche brauchen einen kleinen Schubs, andere einen kräftigen Tritt, und wieder andere eine schriftliche Einladung mit Termin, Wegbeschreibung und reserviertem Parkplatz. Und dann gibt es noch den Handwerker: Den erwartet man am Dienstag, er kommt am Freitag. Oder im nächsten Leben.

    Nur eines sollte man vermeiden: dem Leben entgegenzurennen, ohne vorher zu prüfen, ob es überhaupt das eigene ist. Auch das Pech ist nämlich erstaunlich pünktlich, vor allem, wenn man in die falsche Richtung rennt. Es steht dann schon da, mit offenen Armen und frisch gebrühtem Kaffee.

    Mein Fazit: Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Aber man darf ruhig mitbestimmen, wann, wo und in welcher Verpackung. In diesem Sinne: Kommen Sie gut an. Und gehen Sie ruhig schon mal los!

  • Gedanken sind zollfrei, aber manchmal ganz schön schwer zu tragen

    Gedanken sind zollfrei, aber manchmal ganz schön schwer zu tragen

    Gedanken sind zollfrei. Zum Glück! Sonst stünde vor jedem Schlafzimmer ein Zollbeamter mit Stempel und strenger Miene: «Haben Sie etwas anzumelden?» Und wir müssten kleinlaut auspacken: drei Sorgen, fünf Zweifel, eine angebrochene Packung Selbstvorwürfe und diesen einen Satz, den wir vor zwanzig Jahren gesagt haben und seither jede Nacht neu verhandeln. Ohne Ergebnis, versteht sich.

    Zollfrei heisst nämlich noch lange nicht federleicht. Manches Gedankengut wiegt mehr als ein Koffer voll nasser Badetücher, besonders nachts. Der Körper will schlafen, der Kopf beruft eine Krisensitzung ein. Traktandum 1: alte Fehler. Traktandum 2: Katastrophen, die garantiert nie eintreten. Traktandum 3: die Nachricht von Tante Rösli. Warum steht da ein Punkt am Satzende? Ist sie beleidigt? Um drei Uhr früh ist aus dem harmlosen Pünktchen eine ausgewachsene Familienfehde geworden. Tante Rösli schläft übrigens tief und fest.

    Und Platz brauchen die Dinger! Sie drängeln am Gepäckband im Kopf und drehen Runde um Runde. Immer kommt derselbe ramponierte Koffer vorbei, den eigentlich niemand abholen will. Der vernünftige Gedanke wartet höflich hinten in der Schlange. Die Panik dagegen hat sich längst ein Upgrade erschlichen und sitzt in der ersten Klasse, mit Sekt.

    Darum mein Rat aus der Gepäckaufbewahrung: Gedanken dürfen ruhig einreisen. Aber nicht jeder bekommt gleich ein Dauervisum, geschweige denn das Gästezimmer. Die guten dürfen bleiben, die nützlichen helfen beim Tragen. Der Rest landet im Fundbüro, mit dem Zettel: «Seit Jahren nicht abgeholt. Wird entsorgt.»

    Denn wer jeden Gedanken für bare Münze nimmt, merkt irgendwann: Zollfrei sind sie schon. Bezahlt wird trotzdem, in Schlafstunden.